Schwerpunktthema Oktober 2019

Innerbetrieblicher Transport

Kran; © Gui Yongnian/123RF.com

Gemäß der Unfallstatistik der Unfallversicherungsträger ereignen sich beim innerbetrieblichen Transport weit mehr Unfälle als bei anderen Vorgängen und Tätigkeiten in der gewerblichen Wirtschaft. Fast ein Drittel aller Arbeitsunfälle und 40 Prozent aller tödlich verlaufenden Arbeitsunfälle entfallen auf diese Tätigkeitsgruppe.

Zur Verbesserung der Arbeitssicherheit sollte daher in jedem Einzelfall geprüft werden, ob ein Transportvorgang überhaupt notwendig ist oder durch technische oder organisatorische Maßnahmen vermieden werden kann. Denn der sicherste und auch wirtschaftlichste Transport ist immer noch der, der nicht stattfindet.

Bei vielen erforderlichen Transportvorgängen ermöglichen es moderne Fördermittel und Hebetechnik, das Transportgut sicher und ohne große körperliche Belastungen zu bewegen. Dafür eingesetzte Systeme sind mit einer ausgereiften Sicherheitstechnik versehen. Weitere Voraussetzungen für einen sicheren Transport sind eine detaillierte Gefährdungsbeurteilung, die Befähigung und gegebenenfalls schriftliche Beauftragung des Bedienpersonals sowie regelmäßig durchgeführte wiederkehrende Prüfungen der Arbeitsmittel. Für einige Tätigkeiten kann die Feststellung der körperlichen Eignung der Beschäftigten durch Eignungsuntersuchungen erforderlich sein.

Auf den innerbetrieblichen Verkehrswegen bestehen erhöhte Unfallrisiken durch das unmittelbare Nebeneinander von Fußgängern und Fahrzeugen. In jedem Betrieb ist daher bei der Planung und Einrichtung von Verkehrs- und Transportwegen die Arbeitsstättenverordnung mit den zugehörigen Technischen Regeln für Arbeitsstätten zu beachten. Eine regelkonforme Gestaltung und Kennzeichnung von Wegen ist eine Voraussetzung für den sicheren innerbetrieblichen Transport und Verkehr.

Tödliche Unfälle

Detaillierte Informationen zum Unfallgeschehen können der Schrift „Arbeitsunfallgeschehen 2017“ der DGUV entnommen werden. Dort wurden für das Jahr 2017 branchenübergreifend 780.524 meldepflichtige Arbeitsunfälle im Betrieb, davon 252 tödliche und 11.691 schwere Unfälle, die zu neuen Unfallrenten führten, erfasst. „Insgesamt lassen sich rund 222.000 Unfälle in Verbindung mit dem Unfallmuster innerbetrieblicher Transport identifizieren“, heißt es im Bericht. Dies entspricht 28,4 Prozent aller meldepflichtigen Unfälle. Die 101 tödlichen Unfälle in Zusammenhang mit innerbetrieblichem Transport im Jahr 2017 entsprechen einer überproportionalen Quote von 40 Prozent. Den größten Anteil nehmen Unfälle im Zusammenhang mit Flurfördermitteln und Materialtransportwagen wie Staplern, Gabelhubwagen, Sackkarren und Schubkarren ein. 15 Prozent der Unfälle im innerbetrieblichen Transport (33.267 Fälle) entfallen auf die Nutzung dieser Betriebsmittel.

Flurförderzeuge

Bei etwa einem Drittel der Staplerunfälle des Jahres 2017 war der Unfallverletzte der Staplerfahrer selbst. Jedoch in 43 Prozent der Fälle wurde das Unfallopfer von einem Stapler angefahren, eingequetscht oder überfahren. Wo sich Fußgänger und Gabelstapler Verkehrsbereiche teilen, kann es zu gefährlichen Situationen kommen. „Sehen und gesehen werden“ muss in diesen Bereichen die oberste Priorität haben. Daher ist in den Unterweisungen auch die Sensibilisierung der Personen zu berücksichtigen, die in Arbeitsbereichen mit Flurförderzeugverkehr tätig sind. Eine wichtige Voraussetzung für den sicheren Umgang mit Flurförderzeugen ist die Qualität der Fahrerausbildung. Im DGUV-Grundsatz 308-001 „Ausbildung und Beauftragung der Fahrer von Flurförderzeugen mit Fahrersitz und Fahrerstand“ sind die diesbezüglichen Rahmenbedingungen festgelegt. In der Aufsichtspraxis der Aufsichtspersonen der Berufsgenossenschaften werden allerdings auch Verstöße gegen diesen Grundsatz, insbesondere gegen die vorgesehene Ausbildungsdauer und den Ausbildungsumfang, festgestellt. Unternehmer und Unternehmerinnen, die sicher gehen wollen, dass ihre Beschäftigten vorschriftsmäßig ausgebildet werden, können einen von der DGUV zertifizierten Ausbilder beauftragen.

Kommen ausländische Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen nach Deutschland, wird immer wieder die Frage gestellt, ob deren mitgebrachte Qualifikationsnachweise als Grundlage für die schriftliche Beauftragung zum Führen von Flurförderzeugen ausreichen. Grundsätzlich dürfen Staplerfahrer aus dem Ausland in Deutschland erst eingesetzt werden, wenn nachgewiesen ist, dass sie über einen ausreichenden Ausbildungsstand verfügen. Die folgende Abbildung gibt darüber Auskunft, in welchen Ländern die nationale Ausbildung mindestens dem Niveau des DGUV-Grundsatzes 308-001 entspricht.

Grafik: Anerkannte Ausbildungen; © FBHL / Gaub

Weitere Informationen dazu sind auf der Internetseite des DGUV-Sachgebietes „Fördern, Lagern, Logistik im Warenumschlag“ unter der Rubrik Flurförderzeuge zu finden. Der Einsatz von Assistenzsystemen kann die Unfallrisiken beim Betreiben von Flurförderzeugen weiter reduzieren. Fahrassistenzsysteme sollen eingreifen, wenn der Fahrer Fehler macht. Sie messen permanent die Parameter Fahrgeschwindigkeit, Lenkwinkel, Lenkgeschwindigkeit und teilweise Hubhöhe und Ladungsgewicht/-schwerpunkt. Es erfolgen aktive Steuereingriffe, um ein seitliches Kippen des Staplers zu verhindern. Bei den Anti-Kollisionssystemen erkennen Sensoren die Objekte in einem definierten Sicherheitsbereich. Sie warnen den Staplerfahrer und/oder die Person und/oder bremsen den Stapler ab.

Handtransport

Der Handtransport, zu dem auch der Einsatz handbetriebener Transportgeräte zählt, nimmt nach wie vor einen wichtigen Anteil am innerbetrieblichen Transport ein und war 2017 mit 11 Prozent am gesamten Unfallgeschehen beteiligt. Lässt sich der Handtransport nicht vermeiden, sollte die Unternehmensleitung im Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung geeignete Hilfsmittel wie Zangen, Magnete, Klauen zur Verfügung stellen, auf ausreichend breite Verkehrswege achten, diese frei, sauber und rutschhemmend halten. Geeignete Persönliche Schutzausrüstungen wie schnittfeste Handschuhe mit griffiger Greiffläche und Sicherheitsschuhe reduzieren das Verletzungsrisiko zusätzlich. Auch der sichere Umgang mit handbetriebenen Transportgeräten muss den Beschäftigten im Rahmen von Einweisungen und wiederkehrenden Unterweisungen vermittelt werden.

Durch die Nutzung der modernen Fördermittel haben die körperlichen Belastungen beim Transport abgenommen. Dennoch führen Transporttätigkeiten häufig zu starken Belastungen der Muskelgruppen in den Armen und am Rumpf und zeitweise zu sehr hohen Druck- und Biegebelastungen der Wirbelsäule. Je stärker der Oberkörper nach vorn geneigt wird, desto größer ist die Belastung der Rückenmuskeln und der Bandscheiben.

Mit vorgeneigtem Rumpf besteht schon bei leichten Lasten die Gefahr einer Überbelastung, beim Heben und Neigen mit flachem Rücken hingegen bewegt sich der Rumpf im Hüftgelenk. Die Bandscheiben werden dann nicht verformt, sondern gleichmäßig und geringer belastet. Zur objektiven Einschätzung der vorhandenen Arbeitsbelastung kann die Leitmerkmalmethode „Heben und Tragen“ verwendet werden, die auf der Internetseite der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) beschrieben ist.

Hebezeuge

Beim Einsatz von Hebezeugen geht eine besondere Gefahr von Lasten aus, die am Kran oder einem anderen Hebezeug hängen und durch Schwenken, Heben, Senken oder Herabfallen zu Unfällen führen können. 2017 verloren laut DGUV-Statistik neun Personen bei diesen Tätigkeiten ihr Leben und 145 Personen wurden so schwer verletzt, dass sie wegen andauernder gesundheitlicher Beeinträchtigungen eine Unfallrente erhielten.

Unternehmer und Unternehmerinnen müssen sicherstellen, dass die Hebezeuge nur von unterwiesenen Personen bedient werden. Der Inhalt und die Dauer der Unterweisung sind abhängig von der zu steuernden Kranart und den auszuführenden Kranarbeiten einschließlich der Anschlagarbeiten.

Ebenso sind das betriebliche Umfeld, die Vorkenntnisse und die Anzahl der Lehrgangsteilnehmenden bei der Organisation der Unterweisung von Belang (siehe DGUV Grundsatz 309-003 Ziffer 3.1.3). Vom DGUV zertifizierte Ausbilder wie bei den Flurförderzeugen gibt es dabei allerdings nicht. Die BGHM bietet das Seminar „Ausbilder von Kranführern“ (FKAB33) an.

Den Gefahren, die sich aus einem möglichen Versagen von Bauteilen oder Sicherheitseinrichtungen ergeben können, wird durch regelmäßige Prüfungen wirkungsvoll begegnet. Grundlage für die wiederkehrende Prüfung der Hebezeuge ist neben den Prüfhinweisen des Herstellers der DGUV Grundsatz 309-001 „Prüfung von Kranen“. Es liegt in der Verantwortung des Betreibers, eine geeignete Person mit der Prüfung von Kranen zu beauftragen

Die Aufsichtspersonen der BGHM stellen bei der stichprobenartigen Kontrolle von Prüfprotokollen Qualitätsunterschiede fest, die letztlich zu Lasten der Sicherheit gehen. Es ist darauf zu achten, dass bei Prüfungen von Hebezeugen auch die vorgesehene Belastungsprobe durchgeführt und der verbrauchte Anteil der theoretischen Nutzungsdauer von Serienhubwerken ermittelt wird. Ebenfalls sind die Sicherheitsabstände nach Paragraf 11 DGUV-Vorschrift 52 „Krane“ zu prüfen. Festgestellte Mängel sind entsprechend ihrer sicherheitstechnischen
Bedeutung in einem angemessenen Zeitraum beseitigen zu lassen.

Im täglichen Betrieb kontrolliert ein umsichtiger Kranführer den Kran auf augenfällige Mängel, ehe er den Kranbetrieb aufnimmt. Die BGHM bietet Beratungen im Einzelfall über die zuständige Aufsichtsperson an.

Ingolf Teich, BGHM

BGHM-Kalenderblatt Innerbetrieblicher Transport; iStock.com/Lorraine Boogich

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