Kleine Betriebe

Alternativ gut betreut

Handwerker und Handwerkerin in einer Werkstatt; © stylephotographs/123RF.com

Alle Unternehmen brauchen eine sicherheitstechnische und arbeitsmedizinische Betreuung. Normalerweise bedeutet das eine Grundbetreuung durch Betriebsärztinnen oder Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit vor Ort mit bestimmten Einsatzzeiten und eine ergänzende betriebsspezifische Beratung – die sogenannte Regelbetreuung. Für kleine Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten gibt es eine weitere Möglichkeit: die Alternative Betreuung.

Aktiv in das Betriebsgeschehen eingebundene Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer, die den Arbeitsschutz für ihren Betrieb selbst in die Hand nehmen wollen, können das Modell auf Grundlage der DGUV Vorschrift 2 wählen. Vor Inkrafttreten der Vorschrift war diese Möglichkeit auch als Unternehmermodell bekannt. Im Gegensatz zur Regelbetreuung müssen dann externe Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte nicht regelmäßig mit einer bestimmten Anzahl von Stunden beauftragt werden.

Beratungsleistungen werden stattdessen gezielt dann angefordert, wenn die Unternehmerin oder der Unternehmer dafür einen Bedarf sieht. Ein bedarfsbezogener Beratungsanlass durch eine Fachkraft für Arbeitssicherheit kann zum Beispiel die Beschaffung von neuartigen Arbeitsmitteln oder die Beurteilung von Risiken durch neue Stoffe oder Materialien inklusive der Festlegung von Schutzmaßnahmen sein.

Im arbeitsmedizinischen Bereich kann Beratungsbedarf zum Beispiel entstehen, wenn Beschäftigte regelmäßig in Lärmbereichen arbeiten und für sie eine entsprechende Vorsorge ansteht. Oder aber dann, wenn unklar ist, ob Beschäftigte aufgrund von Krankheiten weiterhin an ihrem Arbeitsplatz tätig sein können. Vorteil der Alternativen Betreuung ist, dass die Optimierung des betrieblichen Arbeitsschutzes direkt durch die Unternehmensleitung erfolgt. Die Verantwortlichen müssen allerdings bereit sein, sich intensiver aktiv mit dem Arbeitsschutz zu befassen, als es bei der Regelbetreuung erforderlich ist.

Insgesamt ist die Alternative Betreuung dann eine effektive Alternative zur Regelbetreuung. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmerinnen und Unternehmern, meist sogar aus der eigenen Branche. So entstehen oft Synergien weit über den Arbeitsschutz hinaus. Die Kontakte entstehen unter anderem während der Ausbildung bei der BGHM.

In zwei Stufen zum Abschlusszertifikat

Die Interessenten absolvieren zunächst eine zweistufige Motivations- und Informationsphase. Die erste Stufe besteht dabei derzeit aus einem eintägigen BGHM-Seminar. Dort werden die rechtlichen Grundlagen, die Verantwortung als Unternehmerin und Unternehmer, mögliche Betreuungsanlässe sowie die Organisation des Arbeitsschutzes im Betrieb erarbeitet. Die zweite Ausbildungsstufe findet entweder in einer eintägigen regionalen Veranstaltung, zweitägig als Seminar oder alternativ als Fernlehrgang mit schriftlicher Prüfung statt. Ob Präsenz- oder Fernlehrgang, das entscheiden die Teilnehmenden während der ersten Stufe.

Mit den Themen Gefährdungsbeurteilung und Personalführung (Kommunikation, Unterweisung, Motivation) werden die Inhalte der ersten Ausbildungsstufe vertieft und ergänzt. Weiterhin werden diese Seminare auch als Online-Version angeboten. Bedingt durch die Beschränkungen und erforderlichen Absagen von Präsenz-Seminaren aufgrund der Corona-Pandemie hat die BGHM einige Online-Seminare bereits erfolgreich durchgeführt.

Ein wichtiger Bestandteil der Alternativen Betreuung ist die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung für das eigene Unternehmen. Dafür erfolgt in den Seminaren beziehungsweise im Fernlehrgang die Vorbereitung, dabei kann die zuständige Aufsichtsperson im Bedarfsfall unterstützen. Zudem bietet die BGHM auch Online-Sprechstunden für die Gefährdungsbeurteilung an. Wer in der zweiten Ausbildungsstufe bereits einen Entwurf seiner Gefährdungsbeurteilung mitbringt, kann direkt daran weiterarbeiten. Nach erfolgreicher Qualifizierung und Durchführung der Gefährdungsbeurteilung erhalten die Teilnehmenden das Abschluss-Zertifikat „Alternative Betreuung“.

Um den Wissensstand und die Motivation zu erhalten, müssen sich die Absolventinnen und Absolventen der Alternativen Betreuung mindestens alle fünf Jahre fortbilden. Sie können dazu zum Beispiel Fortbildungsseminare zu Fachthemen wie Baustellen, Brandschutz und Muskel-Skelett-Belastungen, Psychische Belastung und Kfz-Werkstätten (ab 2022) belegen oder an den Regionaltagungen und den allgemeinen Weiterbildungsseminaren der BGHM teilnehmen.

Gerhard Kuntzemann, BGHM