Schwerpunktthema August 2019

Arbeiten auf Baustellen

Baustelle mit Kränen; © djama - Fotolia.com

Obwohl der technische Fortschritt das Sicherheitsniveau bei Bauarbeiten deutlich verbessert hat, sind diese Tätigkeiten weiterhin mit hohen Unfallrisiken verbunden. So ereignet sich etwa ein Drittel der tödlichen Arbeitsunfälle in der gewerblichen Wirtschaft auf Bau- und Montagestellen. Eine durchdachte Planung, die Umsetzung von Maßnahmen als Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung sowie regelmäßige Unterweisungen wirken den Gefährdungen entgegen.

Besondere Arbeitsbedingungen wie häufige Ortswechsel, ständig wechselnde Anforderungen an das Personal, das Zusammenwirken verschiedener Gewerke, unterschiedliche Witterungs- und Klimaverhältnisse, vermeintliche Improvisationsgründe und der raue Umgang mit Arbeitsmitteln bergen erhöhte Gefahren in sich. Bei Arbeiten auf Baustellen sind daher eine frühzeitige Planung und eine eindeutige Festlegung der Zuständigkeiten wesentliche Voraussetzungen, um den Arbeitsschutz für alle Beteiligten entscheidend zu verbessern. Die Abläufe werden störungsärmer und berechenbarer, wodurch sich die Gefährdungen für Beschäftigte des eigenen und anderer Unternehmen deutlich verringern.

Wesentliche Gefährdungen auf Baustellen sind:

  • unpräzise Aufgabenstellungen und ungenügende Planung der Arbeiten
  • unklare Verantwortlichkeiten und fehlende Beaufsichtigung
  • Mängel an eingesetzten Arbeitsmitteln, zum Beispiel beschädigte Kabel, defekte Leitern oder unvollständige Gerüste
  • fehlende Absturzeinrichtungen, beispielsweise an hochgelegenen Arbeitsplätzen
  • elektrische Gefährdungen, die wegen fehlender Prüfungen der Geräte nicht erkannt und beseitigt wurden
  • Brand- und Explosionsgefahren, zum Beispiel beim Schweißen oder Trennschleifen

Was kann passieren?

Ein reibungsloser und sicherer Ablauf des Bauvorhabens wird gewährleistet durch eine wirkungsvolle Koordination, eine effektive Montageplanung, den Einsatz sicherer Arbeitsverfahren, die Nutzung geeigneter Arbeitsmittel sowie geeigneter Persönlicher Schutzausrüstung (PSA). Die obligatorischen Unterweisungen vor Ort üben einen positiven Einfluss auf das Verhalten der Mitarbeiter aus.

Planung und Koordination von Bauvorhaben

Werden die Anforderungen aus der Baustellenverordnung bereits in der Planungsphase konsequent beachtet, ist die Grundlage für eine sichere Durchführung des Bauvorhabens geschaffen. Folgende Maßnahmen tragen dazu bei, Unfallrisiken auf Baustellen zu reduzieren:

  • Beachtung der Rangfolge bei der Auswahl von Schutzmaßnahmen – wenn möglich Substitution der Gefährdung, dann technische, organisatorische und erst danach persönliche Schutzmaßnahmen (STOP)
  • Bestellung von geeigneten Koordinatoren für die Planungs- und Ausführungsphase
  • Erstellung eines Sicherheits- und Gesundheitsschutzplans

Für Baustellen, auf denen Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber gleichzeitig oder nacheinander tätig werden, ist ein geeigneter Koordinator zu bestellen, der sogenannte Sicherheits- und Gesundheitsschutz-Koordinator. Dieser trägt dazu bei, dass das Bauvorhaben und der Bauablauf jederzeit sicher gestaltet sind. Geeignete Koordinatoren verfügen neben baufachlichem Wissen auch über Kenntnisse auf dem Gebiet der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes sowie über Erfahrungen in der Baustellenbetreuung. Die Bestellung muss rechtzeitig erfolgen, damit der Koordinator bereits während der Planungsphase Einfluss auf die sichere Ausführung des Bauvorhabens nehmen kann.

Montageplanung und Vorbereitung

Ziel der Montageplanung ist ein effizienter und sicherer Arbeitsablauf auf der Baustelle. Dabei müssen beim Planungsprozess insbesondere die Aufgabenstellung sowie die baustellen- und firmenspezifischen Voraussetzungen geklärt werden. Nur die eindeutige Aufgabenstellung mit genauen Angaben zum Leistungsumfang, zu den Termin- und Qualitätsvorgaben sowie die präzisen Kenntnisse der Voraussetzungen, unter denen die Arbeiten durchgeführt werden müssen, machen es möglich,

  • Angebote realistisch zu kalkulieren,
  • Arbeitsabläufe festzulegen,
  • Art und Umfang der Baustelleneinrichtung sowie
  • den erforderlichen Personalbedarf zu ermitteln.

Die Aufgaben formuliert hauptsächlich der Auftraggeber bzw. die Auftraggeberin. Allerdings sind bei der Planung neben den Leistungsbeschreibungen und vertraglichen Lieferbedingungen – auch ohne besondere Erwähnung – Gesetze, öffentlich-rechtliche Vorschriften und Regeln der Technik zu berücksichtigen.

Grundlage aller Entscheidungen im Arbeitsschutz ist die Gefährdungsbeurteilung. Für die Baustelle bedeutet das, wechselnde Arbeitsplätze, Verkehrswege und viele verschiedene Tätigkeiten zu berücksichtigen. Es ist Aufgabe des Unternehmers bzw. der Unternehmerin oder der beauftragten Führungskräfte, die damit verbundenen Gefährdungen zu bewerten, Schutzmaßnahmen festzulegen und deren Einhaltung und Wirksamkeit zu kontrollieren. Um eine passende, baustellenbezogene Gefährdungsbeurteilung durchführen zu können, müssen sie die tatsächlichen Verhältnisse auf der Baustelle beachten. Somit können beispielsweise nicht durchtrittsichere Flächen, Flucht- und Rettungswege sowie vorhandene elektrische Anlagen berücksichtigt werden.

Die Gefährdungsbeurteilung ist zu dokumentieren und stellt eine wichtige Grundlage für die Ein- und Unterweisung der Beschäftigten dar.

Mit einer Montageanweisung erhält die aufsichtführende Person vor Ort wichtige sicherheitsrelevante Informationen, wie:

  • Montagefolge
  • Gewicht, Transport, Lagerung und Einbau der Teile
  • Tragfähigkeit von Hebezeugen, Bauteilen und deren Standsicherheit
  • Sicherungseinrichtungen für Arbeitsplätze und Verkehrswege
  • Hinweise zur Baustellenordnung und zum Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan

Die Montageanweisung muss als Dokument auf der Baustelle vorliegen. Verlegepläne und Montagezeichnungen ohne zusätzliche Informationen ersetzen die Montageanweisung in aller Regel nicht.

Jeder Beschäftigte muss vor Aufnahme seiner Tätigkeit und danach in regelmäßigen Abständen unterwiesen werden. Bei Bau- und Montagearbeiten sollte zusätzlich eine projektbezogene Unterweisung vor Ort erfolgen. Dabei sind insbesondere die spezifischen Gefährdungen und Schutzmaßnahmen zu vermitteln. Beim Einsatz von PSA gegen Absturz müssen die dafür erforderlichen Unterweisungen durch praktische Übungen ergänzt werden. Ziel der Übungen ist neben einer sicheren Benutzung der PSA auch das richtige Verhalten in kritischen Situationen. Unterweisungen sind grundsätzlich zu dokumentieren.

Arbeitsverfahren

Bei Tätigkeiten wie Bohren, Stemmen oder Fräsen von Beton und Mauerwerk ist mit einer gesundheitsgefährdenden Entwicklung von mineralischen Stäuben zu rechnen. Daher muss bei der Auswahl von Schutzmaßnahmen das STOP-Prinzip (Substitution, technische Maßnahmen, organisatorische Maßnahmen und personenbezogene Schutzmaßnahmen) eingehalten werden. So hat der Einsatz von Maschinen mit Absaugung, Entstaubern oder Luftreinigern mit der Schutzklasse M grundsätzlich Vorrang vor der Verwendung von Atemschutz.

Demontage- und Abbrucharbeiten bedürfen einer sorgfältigen Planung. Das Abbruchobjekt muss auf eventuell noch vorhandene Versorgungsleitungen (Gas und/oder Elektro) und die Kontamination mit Gefahrstoffen untersucht werden. Die Abbruchanweisung enthält wichtige Hinweise zum Abbruchverfahren und zur Standsicherheit des Gebäudes in den einzelnen Abbruchstadien sowie der angrenzenden Gebäudeteile.

Enge Räume – also Behälter, Silos oder Rohrleitungen – sind allseits oder überwiegend von festen Wänden umgebene, luftaustauscharme Bereiche. Das darin deutlich erhöhte Gefahrenpotenzial beruht auf der räumlichen Enge und den Stoffen, die sich entweder darin befinden oder in den Wandungen verbaut sind. Vor allem mit Blick auf die gastechnischen und elektrotechnischen Gefährdungen sind bei diesen Arbeiten besondere Schutzmaßnahmen notwendig.

Einrichtungen, Arbeitsmittel und PSA

Um das Ausrutschen, Stolpern oder Abstürze auf Verkehrswegen zu Arbeitsplätzen zu vermeiden, müssen die Zugänge dazu folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • ausreichend tragfähig
  • sicher begehbar und befahrbar
  • Breite des Weges ist der Benutzung angepasst

Sichere Zugänge zu hoch gelegenen Arbeitsplätzen führen über Treppen oder Laufstege. Speziell Treppen werden dem Baufortschritt entsprechend angepasst und ermöglichen den jeweils nachfolgenden Gewerken einen sicheren Aufstieg.

Auf hochgelegenen Arbeitsplätzen und Verkehrswegen kommt der Absturzgefahr eine besondere Bedeutung zu. Die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen sind dabei abhängig von der Art des Arbeitsplatzes oder des Verkehrsweges und von der möglichen Absturzhöhe. Bei der Auswahl der Maßnahmen ist die in Bild 1 (siehe unten) dargestellte Rangfolge einzuhalten.
Deshalb sind zunächst Einrichtungen und Arbeitsmittel einzusetzen, die ein Abstürzen von Personen verhindern oder aber abstürzende Personen sicher auffangen. Dazu gehören unter anderem:

  • Gerüste
  • Seitenschutz
  • fahrbare Arbeitsbühnen
  • fahrbare Hubarbeitsbühnen
  • Schutznetze

Wenn es nicht möglich ist, technische Maßnahmen gegen den Absturz zu ergreifen, müssen Persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz (PSAgA) benutzt werden. Diese können den Absturz zwar nicht immer verhindern, fangen aber Personen nach einem Sturz sicher auf und begrenzen die Fallhöhe und auf den Körper einwirkende Kräfte. Der Einsatz von PSAgA ist jedoch sorgfältig vorzubereiten: So gehört bei der Auswahl eines geeigneten Auffangsystems neben der Unterweisung mit praktischen Übungen immer die Erstellung eines wirksamen Rettungskonzeptes dazu.

Stephan Mrosek, BGHM

Grafik: Rangfolge der Maßnahmen; © BGHM

Bild 1: Rangfolge der Maßnahmen (Quelle: Arbeitsschutz Kompakt Nr. 085)

BGHM-Wandkalender: Arbeiten auf Baustellen; iStock.com/joyt / BGHM

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