Diagnose-Verfahren in den BG Kliniken

Das Gehirn auf dem Prüfstand

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Der „Brain Check“ hilft zu klären, ob ein unerkanntes Schädelhirntrauma vorliegt, wenn Menschen nach Kopfverletzungen bestimmte Symptome zeigen. Auf dieser Grundlage kann zeitnah die passende Therapie für Versicherte eingeleitet werden. Nur die berufsgenossenschaftlichen Kliniken (BG Kliniken) bieten das Verfahren mit seinen umfangreichen Untersuchungen an.

Das Auto schoss plötzlich von rechts aus der Seitenstraße und nahm Thomas R. die Vorfahrt. Er versuchte noch eine Vollbremsung, aber es gelang ihm nicht, mit seinem Motorrad rechtzeitig zum Stehen zu kommen. R. prallte gegen den Kotflügel des Wagens; von der Wucht des Aufpralls wurde er über die Motorhaube geschleudert. Die Diagnose im Krankenhaus: Bein- und Rippenfraktur, Gehirnerschütterung. „Glück gehabt, das hätte ohne Helm und Schutzkleidung deutlich schlimmer enden können“, sagten die behandelnden Ärzte.

Schon nach wenigen Wochen kehrte der 42-Jährige an seinen Arbeitsplatz zurück. Er fühlte sich auch wieder fit, die anfänglichen Kopfschmerzen waren weg. Zweimal in der Woche ging er zur ambulanten Physiotherapie. Doch irgendwas war anders. Eigentlich war er immer recht stressresistent gewesen, jetzt hatte er das Gefühl, ein „Brett vor dem Kopf“ zu haben, wenn es mal hektisch wurde. Er war immer ein Schnelldenker gewesen, jetzt fiel es ihm schwer, sich zu konzentrieren. Wenn er den Kopf schnell bewegte, wurde ihm oft schwindelig. Und seine Frau beschwerte sich, dass er, der eigentlich so besonnene Mensch, bei Nichtigkeiten aufbrausend wurde. Er schob es auf den Stress im Betrieb.

Doch nach zwei Monaten war ein eingegangener Großauftrag abgearbeitet und die Probleme blieben. Thomas R. war niedergeschlagen, er konnte sich keinen Reim auf seinen Zustand machen und fragte sich, ob die Symptome psychische Folgen des Unfalls waren. Die Reha-Managerin empfahl R. ein Verfahren, das klären sollte, ob seine Probleme tatsächlich psychischer oder doch eher physischer Natur waren – Spätfolgen der Gehirnerschütterung.

Brain Check heißt dieses besondere Verfahren, das nur an BG Kliniken angeboten wird. Es untersucht die Auswirkungen eines sogenannten Schädelhirntraumas (SHT). Es soll spätestens nach drei Monaten angewandt werden, falls Versicherte nach diesem Zeitraum nicht wieder erfolgreich an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt sind. Schon ein leichtes SHT kann eine ganze Bandbreite von Symptomen hervorrufen: Aufmerksamkeitsstörungen, Gereiztheit, Verlangsamung, Schwindel, psychoreaktive Veränderungen, Schlafstörungen und vieles andere“, sagt Dr. med. Ingo Schmehl, Direktor der Klinik für Neurologie mit Stroke Unit und Frührehabilitation im BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin. Oft würde das Problem unterschätzt – ohne ärztliche und vor allem neuropsychologische Betreuung und Behandlung drohten Folgeschäden, die im Laufe der Jahre sogar noch zunehmen könnten.

Radiologische Diagnostik im MRT und Angiographie, also die Untersuchung von Blutgefäßen, gehören genauso zum Brain Check wie neurologische und psychiatrische Untersuchungen, Schwindeldiagnostik, kognitive Tests, psychotraumatologische Konsultation und eine ergo-therapeutische Abklärung. „Nur mit einer umfassenden, gezielten Diagnostik in Zusammenarbeit mit Ärzten verschiedener Fachgebiete ist eine zielgerichtete, erfolgreiche Rehabilitation entsprechend der Qualitätsstandards in der gesetzlichen Unfallversicherung beim Schädelhirntrauma möglich“, sagt Schmehl.

Denn in vielen Fällen – auch bei Thomas R. – stelle sich erst beim Brain Check heraus, dass der Patient kein leichtes, sondern ein mittelschweres SHT erlitten habe. Die entsprechenden Symptome machten sich oft erst später im privaten und beruflichen Umfeld bemerkbar. Das Brain-Check-Verfahren bietet mehrere Vorteile: Dazu gehören die frühzeitige interdisziplinäre Gesamtbeurteilung der Person, die Abgrenzung von unfallbedingten und unfallunabhängigen Symptomen, die Überprüfung der Reha-Ergebnisse anderer Kliniken, die Abgrenzung organischer und psychischer Ursachen sowie die frühzeitige Einleitung stationärer oder ambulanter Rehabilitationsmaßnahmen. Denn je früher mit der Therapie begonnen wird, desto mehr profitieren die Versicherten.

Der Brain Check ergab, dass Thomas R. eine neurologische Rehabilitation mit anschließender Schwindel-Reha in der Hals-Nasen-Ohren-Abteilung helfen könnte. Drei Monate war R. daraufhin in Behandlung. Nach einiger Zeit merkte R. selbst, dass die Konzentrationsstörungen nachließen, dass er auch in Stresssituationen den Überblick behielt und sich seine Stimmung besserte. Der Brain Check hilft – jedes Jahr rund 350 Versicherten der gesetzlichen Unfallversicherung.

BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin