Unterstützung für ein selbstbestimmtes Leben

Das war’s noch lange nicht!

Max Weidner ist 28 Jahre alt, als ein Arbeitsunfall im Jahr 2018 sein Leben schlagartig verändert. Er verliert vier Finger seiner rechten Hand. Gemeinsam mit seinem Reha-Manager und der BGHM sowie seinem Arbeitgeber hat er seine Zukunft neu gestaltet.

Holz, wohin das Auge blickt, und zugleich duftet es wunderbar nach frisch gesägter Fichte. Mittendrin: Max Weidner. Er befindet sich im Sägewerk seines Onkels. Seit 1896 wird dort am Fuße des Dreisesselberges im bayerischen Wald gesägt, gehobelt und veredelt. Schon als kleiner Junge ist Max Weidner immer wieder im Betrieb, der damals noch von seinem Großvater geleitet wird. Nach seiner Zeit an der Technischen Hochschule Rosenheim arbeitet Weidner im Familienbetrieb mit. Damals, gerade 25 Jahre alt, steht für ihn schon fest: Dort will er bis zum Ruhestand bleiben und zum Erfolg des Familienbetriebs beitragen.

Doch der 5. Juni 2018 bringt seine Pläne durcheinander. Als er bei Sägearbeiten eine Störung beseitigen möchte, verliert er alle vier Langfinger der rechten Hand. „Ich habe zunächst gedacht, ich habe mir nur die Hälfte der Finger abgeschnitten – doch dann wurde mir klar: Sie sind komplett weg.“ Danach geht alles ganz schnell: Die Erstversorgung wird sichergestellt und der junge Mann kommt ins Krankenhaus nach Passau. „Es war alles sehr dramatisch“, erinnert sich sein Onkel und Vorgesetzter Baptist Resch. „Wir hatten an diesem Tag ein heftiges Gewitter, der Hubschrauber konnte nicht landen und Max musste zunächst mit dem Krankenwagen transportiert werden. Zu allem Unglück konnten wir die abgetrennten Finger nicht finden – das war damals eine große Tragödie für uns alle.“

Helfer in der Not

Schnell wird klar, dass Weidner künftig eine Handprothese benötigen wird. Für den ambitionierten Sportler ist das zunächst zunächst ein Schock. „Der erste Gedanke war: Was mache ich jetzt bloß? Viele meiner Träume und Wünsche werde ich mir nicht erfüllen können.“ Weidner fällt zunächst in ein Loch, aus dem er jedoch schnell wieder herausfindet. „Ich habe nach und nach begriffen, dass meine anfänglichen Befürchtungen unbegründet sind“, erzählt er.

Bald nach dem Unfall meldet sich Wolfgang Sperr bei Weidner und seiner Familie. Damals ist er der zuständige Reha-Manager der BGHM und kümmert sich in persönlicher Absprache mit dem Versicherten um die Planung und Koordination der Unterstützungsleistungen. „Wir Reha-Manager und -Managerinnen treten so früh wie möglich mit den Versicherten in Kontakt, um sie umfassend zu beraten und um individuell auf ihre Bedürfnisse eingehen zu können“, erklärt Sperr. Schon diese erste Kontaktaufnahme gibt Weidner weiteren Auftrieb. „Herr Sperr erläuterte mir das weitere Vorgehen und ging auf meine Fragen ein. Dabei konnte er mir viele Sorgen nehmen“, erinnert sich Max Weidner. „Für mich war es eine große Erleichterung, weil ich auf einmal wusste, wie es weitergeht.“

Exzellente Rehabilitation

Zur Weiterbehandlung kommt der heute 31-Jährige in das BG Unfallklinikum Murnau am Staffelsee. Dort stehen ihm hochqualifizierte Fachleute für eine bestmögliche medizinische Versorgung und Rehabilitation zur Verfügung. „Das BG Klinikum Murnau genießt für seine exzellente Handchirurgie bundesweit großes Ansehen“, erzählt Reha-Manager Sperr. In Murnau angekommen, vermittelt der Leiter der Handchirurgie Weidner einen Kontakt zu zwei Patienten mit unterschiedlichen Behandlungsansätzen vor Ort mit gleicher Verletzung, ein weiterer Vorteil einer solchen Spezialklinik. „Das tat mir gut, mich mit Menschen austauschen zu können, die das gleiche Schicksal erfahren haben wie ich. Bei einem ‚normalen‘ Krankenhausaufenthalt kaum vorstellbar“, sagt Weidner.

Hightech statt unbeweglicher Prothese

In Murnau erhält der Niederbayer eine sogenannte myoelektrische Handprothese. Sie sieht der natürlichen Hand dank ihrer hautähnlichen Silikonverkleidung zum Verwechseln ähnlich und ermöglicht ihrem Anwender auch zu greifen, zu halten – kurzum: aktiv zu sein. „Diese Handprothese ist etwas Besonderes. Sie ermöglicht der Trägerin oder dem Träger selbst zu entscheiden, ob eine Bewegung schnell, langsam, kräftig oder sanft erfolgen soll“, erklärt Reha-Manager Sperr und fügt an: „Das wird alles durch einen kleinen akkubetriebenen Motor im Finger der Prothese gesteuert.“

Die richtige Bedienung des neuen „Körperteils“ erfordert viel Training der Muskelsignale und ist mit dem Erlernen eines Musikinstruments vergleichbar. Ergotherapeutinnen und -therapeuten unterstützen Weidner dabei, Bewegungsabläufe wie Essen mit Messer und Gabel neu zu lernen. Insgesamt drei Mal ist er dafür in Murnau und kann die Prothese von Tag zu Tag besser bedienen.

Erfolgreiche Wiedereingliederung

Ein halbes Jahr nach dem Unfall arbeitet Weidner wieder in der Firma seines Onkels und kann dort dank des guten Heilungserfolgs seine früheren Tätigkeiten wieder aufnehmen. „Dass die Wiedereingliederung von Herrn Weidner so erfolgreich verlaufen ist, war ein großer Gewinn und hat uns alle sehr gefreut – nicht zuletzt aufgrund der idealen Zusammenarbeit mit dem Betrieb“, freut sich Wolfgang Sperr. „Ich hätte mir das am Anfang nicht gedacht, dass das so gut ausgeht“, sagt Geschäftsführer Baptist Resch. „Die Versorgung, die Behandlung, die Reha, die Betreuung – all das hat dazu beigetragen.“ Das sieht auch Weidner so: „Alles lief reibungslos. Was mir von der BGHM zugesichert wurde, wurde hundertprozentig umgesetzt. Im Nachhinein hätte man nichts besser machen können.“

Der junge Mann aus dem bayerischen Wald hat das Beste aus der Situation herausgeholt und ist inzwischen auch wieder sportlich aktiv. Mehr noch: Er hat die paralympische Sportdisziplin „Para Ski nordisch“ für sich entdeckt – eine Kombination aus den paralympischen Sportdisziplinen Para-Skilanglauf und -Biathlon. Er tritt sehr erfolgreich bei Wettkämpfen an und ist Teil des Nordic Paraski Teams Deutschland. Das Ziel dabei sind die Paraolympischen Spiele 2022 in Peking. „Rückblickend war mein Unfall tragisch, aber dank der BGHM und der sehr guten Versorgung und Reha habe ich aktuell wenig Einschränkungen“, sagt Weidner. „Für mich war’s das noch lange nicht. Und nach diesem Motto lebe ich jetzt auch.“

Thomas Vogel, BGHM

Maximilian Weidner; © BGHM/Bildkraftwerk, Fotograf: Hans-Rudolf Schulz
Maximilian Weidners myoelektrische Handprothese und seine Schmuckprothese ähneln der natürlichen Hand dank ihrer hautähnlichen Silikonverkleidung. © BGHM/Bildkraftwerk, Fotograf: Hans-Rudolf Schulz
Reha-Manager Wolfgang Sperr erfährt im persönlichen Gespräch mit Maximilian Weidner, welche Maßnahmen nützlich für seinen Heilverlauf sind. © BGHM/Bildkraftwerk, Fotograf: Hans-Rudolf Schulz

Bild links: Maximilian Weidner; Bild rechts oben: Maximilian Weidners myoelektrische Handprothese und seine Schmuckprothese ähneln der natürlichen Hand dank ihrer hautähnlichen Silikonverkleidung; Bild rechts unten: Reha-Manager Wolfgang Sperr erfährt im persönlichen Gespräch mit Maximilian Weidner, welche Maßnahmen nützlich für seinen Heilverlauf sind.