Wegeunfall mit schweren Folgen

„Das Wichtigste war, meine Familie wiederzusehen“

© BGHM

Der 3. Juli 2009 beginnt für Willi Hoffmann wie jeder andere Arbeitstag auch: Er macht sich morgens mit dem Fahrrad auf den Weg in den Betrieb, doch er verunglückt nach nur wenigen hundert Metern. Ohne die Unterstützung seiner Familie, die gute Betreuung in der BG Unfallklinik Murnau und die weitreichende Unterstützung der BGHM hätte er den Unfall nicht so gut verarbeitet, sagt er.

Am Unfalltag steigt Willi Hoffmann, Meister in der Montageabteilung eines Traktorenherstellers, wie gewohnt gegen Viertel vor sechs in der Früh auf sein Fahrrad. Auf die Frage, wieso er an diesem Tag nicht wie üblich zu seinem Rucksack gegriffen hat, sondern sich eine Leinentüte an den Lenker hängt, antwortet der damals 57-Jährige: „Ich kann es nicht erklären, das habe ich mich schon so oft gefragt.“ Nach wenigen Metern verfängt sich die Tasche im Vorderrad und der Inhalt, ein stabiles Messgerät, kommt zwischen die Speichen. Das Fahrrad überschlägt sich – mit schwerwiegenden Folgen für Hoffmann. Zwei Halswirbel sind gebrochen, die Augenpartie schwer verletzt und die Hirnplatte hat sich abgelöst.

Schäden am Rückenmark

Hoffmann wird in die BG Unfallklinik im bayrischen Murnau gebracht. Die Ärzte können die meisten seiner Verletzungen erfolgreich behandeln, der Bruch der beiden Halswirbel führt jedoch zu einer dauerhaften Schädigung des Rückenmarks. Diese verursacht eine starke Spastik in beiden Händen und führt zum Kontrollverlust über die Beine. Zwar ist das Rückenmark nicht durchtrennt, die Folgen des Unfalls sind jedoch so gravierend, dass Hoffmann wohl nie wieder alleine laufen und voraussichtlich dauerhaft auf den Rollstuhl angewiesen sein wird. Als er im Krankenhaus zu sich kommt, realisiert er schnell die neue Situation: „Ich wusste sofort, dass von nun an vieles nicht mehr so sein wird wie vorher.“ Doch aufgegeben hat er sich nie. Er hat sein Schicksal angenommen und sich mithilfe von Ärzten und Physiotherapeuten während der fast siebenmonatigen stationären Reha zurück ins Leben gekämpft. Besonders geholfen hat ihm die Unterstützung seiner Frau und seiner Tochter. „Das Wichtigste war, meine Familie wiederzusehen, denn mir war klar, dass wir das zusammen schaffen“, sagt er.

Finanzielle Unterstützung

Vor seinem Unfall hatte Hoffmann gerade erst das Haus der Familie renoviert, doch nun war ein weiterer, rollstuhlgerechter Umbau notwendig: Das Gebäude war nicht barrierefrei gestaltet, der Eingang durch die Lage am Hang nur über mehrere Treppenstufen zu erreichen. Lediglich die Garage lag auf Straßenniveau. „Durch die Hanglage und den fehlenden Platz im Außenbereich war ein rollstuhlgerechter Hauszugang durch eine Rampe nicht umsetzbar“, erklärt Andrea Flegel, die zuständige Reha-Managerin der BGHM. „Die BGHM hat die Familie daher beim Bau eines mehrere Meter langen Tunnels von der Garage zum Haus unterstützt. Dort hat sie den Einbau eines Aufzugs veranlasst, der es Herrn Hoffmann ermöglicht, alle Stockwerke des Hauses per Rollstuhl zu erreichen.“ Auch die Anschaffung verschiedener Fortbewegungshilfen wurde mitfinanziert. Darunter zählen neben einem Liftsystem für den Pkw auch ein Handbike und das sogenannte Swiss-Trac. Das Swiss-Trac ist eine Zugmaschine für den Rollstuhl, mit der Hoffmann auch anspruchsvolle Unternehmungen in unwegsamem Gelände problemlos meistern kann. „Das alles ist ein echter Gewinn für meine Lebensqualität. Ich finde, Dienstleister wie die Berufsgenossenschaft sind eine große Hilfe für all diejenigen, die einen Arbeits- oder Wegeunfall hatten“, sagt Hoffmann.

Begeisterter Koch und reiselustiger Hobbyfotograf

Nach dem Unfall und dessen Folgen war eine berufliche Wiedereingliederung für Hoffmann nicht möglich. Stattdessen erhielt er von der BGHM zunächst Verletztengeld und anschließend eine Verletztenrente nach einer Minderung der Erwerbsfähigkeit von 100 Prozent. „Die ersten Monate zu Hause waren wirklich hart. Schwer gefallen ist mir besonders die Umstellung im Alltag, die der Rollstuhl mit sich bringt“, erzählt Hoffmann und wirkt, während er sich erinnert, zum ersten Mal nicht so positiv. „Aber inzwischen hat sich alles eingespielt. Im Garten hat jetzt meine Frau das Heft in der Hand. Dafür koche ich mit Leidenschaft. Nur dauert das bei mir eben etwas länger.“ Er nickt in Richtung seiner beiden Hände und grinst. Und da ist sie wieder: seine positive Grundhaltung. Statt Ski zu fahren ist der ehemals leidenschaftliche Sportler jetzt mit dem Handbike oder dem Swiss-Trac unterwegs, verbringt viel Zeit mit seinen beiden Enkeln, fotografiert gerne und ist so oft wie möglich mit seiner Familie auf Reisen. Dabei hält ihn auch seine Behinderung nicht auf. Bald geht es wieder los – nach Fuerteventura, zusammen mit Frau, Tochter, Schwiegersohn und den Enkelkindern.

Markus Hembes, BGHM

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Statt Ski zu fahren ist der ehemals leidenschaftliche Sportler Willi Hoffmann jetzt mit dem Handbike oder dem Swiss-Trac unterwegs.

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Die BGHM hat die Familie beim Bau eines mehrere Meter langen Tunnels von der Garage zum Haus unterstützt.