Nachgehende Betreuung

Dauerhaft gut versorgt

Claudia Halama an ihrem Schreibtisch im Büro; © BGHM

Die BGHM begleitet schwerstverletzte und -erkrankte Versicherte bei Bedarf über viele Jahre. Claudia Halama ist Reha-Managerin bei der BGHM und führt wie ihre Kolleginnen und Kollegen diese sogenannte nachgehende Betreuung durch. Im Interview berichtet sie von ihren Erfahrungen und den Leistungen der BGHM.

BGHM-Aktuell: Frau Halama, Sie sind Reha-Managerin bei der BGHM und für die sogenannte nachgehende Betreuung zuständig. Was ist das genau?

Claudia Halama: Bei der nachgehenden Betreuung besuchen Reha-Managerinnen und -Manager der BGHM schwerstverletzte oder -erkrankte Versicherte regelmäßig zu Hause. Wir beraten und unterstützen sie in Bezug auf die Unfall- oder Krankheitsfolgen. In vertrauensvoller, entspannter Atmosphäre besprechen wir gemeinsam mit den Versicherten und ihren Angehörigen Bedarfe und Wünsche. Themen sind zum Beispiel die ärztliche Behandlung, Rehabilitationsmaßnahmen, die Wohnsituation, die schulische und berufliche Situation, Kraftfahrzeughilfen, die orthopädische Versorgung und die Hilfsmittelversorgung, Erholungsaufenthalte, Pflege und die Teilnahme am sozialen Leben.

Warum bietet die BGHM die nachgehende Betreuung an und wer wird betreut?

Nach einem schweren Arbeitsunfall oder mit einer Berufskrankheit ändert sich das Leben der Betroffenen oft für immer – sowohl im beruflichen als auch im privaten und familiären Bereich. Die Berufsgenossenschaft lässt Betroffene nicht allein und unterstützt sie dabei, die Folgen des Unfalles oder der Erkrankung zu bewältigen. Ein persönlicher und regelmäßiger Kontakt mit den Betroffenen ist besonders wichtig, um die Situation einschätzen zu können. Wir führen die nachgehende Betreuung für Schwerstverletzte und Erkrankte mit einer Minderung der Erwerbsfähigkeit, abgekürzt MdE, ab 80 Prozent oder für schädelhirnverletzte oder krebserkrankte Personen mit einer MdE ab 50 Prozent durch. Doch auch andere Versicherte mit einem besonderen Betreuungs- und Unterstützungs-bedarf werden nachgehend betreut.

Welche Hilfestellungen bietet die BGHM im Rahmen der nachgehenden Betreuung an?

Häufig geht es darum, eine möglichst barrierefreie und behinderungsgerechte Wohnsituation zu gestalten. Auch bei einem eventuellen Pflegebedarf unterstützen und beraten wir, damit die pflegerische Versorgung sichergestellt ist. Wir vermitteln zudem Kontakte zum Beispiel zu Rehabilitationssportgruppen, zu Selbsthilfegruppen oder zu Beratungsstellen.

Zu welchen Themen unterstützen und beraten Sie am häufigsten?

Bei vielen Versicherten wirken sich die Unfall- oder Erkrankungsfolgen im Alter stärker aus oder sie werden durch andere Erkrankungen negativ verstärkt. Plötzlich kommen die Versicherten im gewohnten Umfeld nicht mehr zurecht. Ein Beispiel: Ein Versicherter mit einer Oberschenkel-amputation kann seine Prothese aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr tragen und ist nun überwiegend auf einen Rollstuhl angewiesen. Wir schauen uns die Situation vor Ort an und veranlassen zum Beispiel den barrierefreien Umbau des Badezimmers, um die Selbstständigkeit des Versicherten weiterhin zu ermöglichen.

Zudem tauschen wir Hilfsmittel aus, wenn sie nicht mehr ordnungsgemäß funktionieren, oder wir besorgen neue, wenn sie nicht mehr vorhanden sind: Wenn zum Beispiel der Ersatzrollstuhl defekt ist oder die Badeprothese im Urlaub entwendet wurde. Wir informieren auch über neue Möglichkeiten der Hilfsmittelversorgung. So konnten wir erst vor Kurzem einige blinde oder schwer sehbehinderte Menschen im Rahmen der nachgehenden Betreuung über eine neu entwickelte Kamerabrille mit Vorlesefunktion beraten und sie damit versorgen. Das hat ihre Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft deutlich verbessert. Ich habe Aussagen gehört wie: „Jetzt traue ich mich wieder unter Menschen und kann auch wieder einmal in einem Café eine Zeitung lesen.“

Womit wir in der nachgehenden Betreuung häufig zu tun haben, sind Probleme und Krisen in der pflegerischen Versorgung. Wenn Angehörige jahrelang pflegen, sind sie oft schwer belastet. Viele scheuen sich jedoch, Entlastungsmöglichkeiten zu suchen und anzunehmen. Wir unterstützen dabei, solche Möglichkeiten zu finden. Wir unterstützen Versicherte, damit sie wieder mehr am sozialen Leben teilnehmen, und vermitteln auch Angebote: Ein Rollstuhlmobilitätstraining, eine Rehabilitationssportgruppe oder ein Erlebniswochenende für Schädelhirnverletzte können den betroffenen Versicherten helfen und ihnen wieder neue Impulse für den Alltag geben.

Das Interview führte Eva Ebenhoch, BGHM