Pandemie-Planung – ein Beispiel

Ein neuer Arbeitsalltag

© bonumopus - 123rf.com

Um ihre Beschäftigten vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen, mussten und müssen Unternehmen viel beachten und ihre Arbeit anders organisieren. Der Automatisierungsspezialist Weiss ist eines der Unternehmen, die früh reagiert haben.

In Krisenzeiten gibt es viel zu besprechen. In kurzen Abständen treffen sich deshalb, virtuell natürlich, Vertreter der Geschäftsführung, aus Vertrieb und Service, der IT-Infrastruktur und viele mehr. Gemeinsam bilden sie den Stab Corona-Prävention bei der Weiss GmbH. „Wir stehen in engem und intensivem Austausch über alle Bereiche der Firma hinweg“, sagt Geschäftsführer Uwe Weiss.

Die Weiss GmbH hat ihren Hauptsitz im baden-württembergischen Buchen. Seit 1967 produziert sie Komponenten für die Automatisierung. Mittlerweile mit eigenen Standorten in 17 Ländern, unter anderem in China, wo Ende 2019 das Coronavirus aufkam. Für die Pandemie-Planung ein Vorteil: „Wir waren mit den Kollegen in China permanent in Kontakt und wussten daher schon früh, wie ernst die Situation ist“, sagt Weiss.

Einschneidende Veränderungen

Das Unternehmen reagiert: Anfang März gründet sich der Präventionsstab, erste Maßnahmen folgen. Zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Standorten Buchen und Walldürn wechseln innerhalb von zwei Tagen ins Homeoffice. Büroarbeitsplätze, an denen das nicht möglich ist, werden räumlich und zeitlich getrennt. Fertigung und Montage arbeiten in Schichten und in festen Teams, die zeitversetzt im Einsatz sind, um sich nicht zu begegnen. Dazu die Absage aller Veranstaltungen und Dienstreisen, neue Regeln für den Außendienst, Tragen von Mund-Nase-Bedeckung dort, wo der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann, und vieles mehr: Für die Beschäftigten ändert sich der Arbeitsalltag rasant.

„Die ersten Wochen waren schwierig, aber die Belegschaft hat sowohl in der Produktion als auch in der Verwaltung großartig mitgezogen“, sagt Maximilian Frank, Sicherheitsingenieur bei der Weiss GmbH. „Das waren einschneidende Veränderungen, gerade zum damaligen Zeitpunkt.“ Die Akzeptanz sei mit der Zeit gewachsen: „Jetzt im Rückblick bekomme ich positives Feedback, dass wir so früh reagiert haben. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fühlen sich durch das Konzept sicherer.“

Insbesondere auf die Einhaltung der A-H-A-Formel legt das Unternehmen großen Wert: Abstand – Hygiene – Alltagsmaske. „Zwischen den meisten Arbeitsplätzen ist mehr als 1,5 Meter Abstand, überall steht Desinfektionsmittel bereit und die Beschäftigten sind unterwiesen“, erläutert Frank. Wo der Abstand nicht eingehalten werden könne, seien Mund-Nase-Bedeckungen zu tragen. Wer Sorgen habe, treffe auf offene Ohren: „Für individuelle Probleme haben wir eine Hotline und eine E-Mail-Adresse eingerichtet. Wir versuchen dann, gemeinsam eine Lösung zu finden.“

Anleitung für die Rückkehr ins Büro

Die A-H-A-Formel bleibt den Beschäftigten wohl noch erhalten, andere Maßnahmen werden angesichts der sinkenden Infektionszahlen gelockert: Im Mai hat das Unternehmen die Rückkehr in die Büros vorbereitet. Weiss arbeitet dabei international eng zusammen. An anderen Standorten etwa sei man schon länger wieder vor Ort – mit einer Anleitung, wie sich auf dem Betriebsgelände im Hinblick auf den Infektionsschutz zu verhalten sei. Eine ähnliche Richtlinie gab es dann auch für die Beschäftigten in Deutschland.

Zudem erinnern Bodenmarkierungen an den Mindestabstand – sogar an der Kaffeemaschine. Aus Besprechungsräumen werden zusätzliche Büros, um die Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern zu gewährleisten. Hinter der Weiss GmbH liegen Wochen mit großen Veränderungen. Frank sagt: „Das Konzept hat sich bewährt.“ Die wenigen Infizierten, die es bisher an den deutschen Standorten gegeben habe, hätten das Virus nicht an andere Kolleginnen und Kollegen weitergegeben.

Lisa Bergmann, BGHM

Kurzinterview: „Hygiene ist elementar“

© BGHM

Helge Oberle berät als Aufsichtsperson der BGHM die Weiss GmbH im Arbeitsschutz. Auch bei der Umsetzung der Maßnahmen zum Infektionsschutz hat er sie begleitet.

BGHM-Aktuell: Wie haben Sie das Unternehmen in den vergangenen Wochen unterstützt?

Oberle: Ich war im Austausch mit dem Sicherheitsingenieur der Firma und stand für Fragen jederzeit zur Verfügung. Es wurde schnell deutlich, dass die Maßnahmen ein hohes Sicherheitsniveau erfüllen.

Welche Informationsquellen und Materialien zum Infektionsschutz können Sie Unternehmen empfehlen?

Die BGHM hat schon früh Handlungshilfen für Betriebe entwickelt und den SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) branchenspezifisch konkretisiert und ergänzt. Das Feedback zeigt uns, dass sie für die Unternehmen ein großartiges Hilfsmittel bei der Umsetzung ihres Konzeptes sind. Bei weiteren Fragen, etwa zum Versicherungsschutz, sind die auf den Internetseiten der BGHM veröffentlichten FAQs zum Coronavirus zu empfehlen.

Worauf sollten Unternehmen beim Infektionsschutz besonders achten?

Mit der strikten Einhaltung relativ einfacher Maßnahmen können Beschäftigte und Unternehmensverantwortliche viel dazu beitragen, sich selbst und andere vor Ansteckung zu schützen. Abstand halten und Hygiene, insbesondere das gründliche Händewaschen mit Flüssigseife für 20-30 Sekunden, halte ich für elementar. Bei Krankheitsanzeichen sollten Beschäftigte nicht zur Arbeit gehen.