Messreihe der BGHM

Formaldehyd-Belastung in der Holzfertighausproduktion

Holzbearbeitung; © BGHM

Im Rahmen eines Messprogramms der BGHM wurde geprüft, ob bei der Produktion von Holzfertighäusern für die Beschäftigten eine relevante Belastung gegenüber Formaldehyd vorliegt.

Mit dem Begriff „Fertighaus“ wird im Allgemeinen ein Haus bezeichnet, das – zumindest in Teilen – werkseitig vorgefertigt an die Baustelle geliefert wird. Die Vorteile dieser Bauweise liegen in einer kurzen Bauzeit, festen Preisen und Terminen, einem geringen Heizenergiebedarf aufgrund guter Dämmung und einer guten Öko-Bilanz.

Bei der Herstellung von Holzfertighäusern werden Holzwerkstoffplatten und Dämmstoffe verwendet, die in der Regel mit formaldehydbasierten Leimen oder Harzen gefertigt wurden. Unter Einfluss von Luftfeuchtigkeit und Hitze können aus den eingesetzten Arbeitsstoffen nachträglich geringe Mengen an Formaldehyd freigesetzt werden.

Der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) für Formaldehyd in der Atemluft beträgt 0,37 mg / m³; er ist veröffentlicht in der Technischen Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 900 „Arbeitsplatzgrenzwerte“ und ist als Schichtmittelwert konzipiert. Formaldehyd ist ein krebserzeugender Stoff der Kategorie 1B („Stoffe, die wahrscheinlich beim Menschen karzinogen sind“) und ist als keimzellmutagen Kategorie 2 („Stoffe, die möglicherweise vererbbare Mutationen in Keimzellen von Menschen auslösen können“) eingestuft. Toxikologen gehen nach gegenwärtigem Erkenntnisstand davon aus, dass bei Einhaltung des AGWs für Formaldehyd keine signifikante Steigerung des Krebsrisikos für den Menschen zu erwarten ist.

Messungen direkt an der Person

Der Messtechnische Dienst der BGHM hat nun in Kooperation mit dem Sachgebiet Holzwerkstoffe und Holzstaubabsaugung umfangreiche Arbeitsplatzmessungen bei der Fertigung von Holzfertighäusern durchgeführt und geprüft, ob bei der Produktion von Holzfertighäusern für die Beschäftigten eine relevante Belastung gegenüber Formaldehyd vorliegt. Voraussetzung bei der Akquise der Betriebe war der Einsatz von Holzwerkstoffplatten und Dämmstoffen mit einer sehr geringen Formaldehydemission. Diese liegt unter anderem bei der Verarbeitung von Holzwerkstoffen der Emissionsklasse 1 (umgangssprachlich E1) gemäß Chemikalienverbotsverordnung vor. Die Messungen erfolgten überwiegend direkt an der Person; sie wurden in den Lagerbereichen durch ortsfeste Probenahmen ergänzt. Die Messdauer betrug bei der überwiegenden Zahl der Probenahmen etwa zwei Stunden.

Folgende Produktions- und Lagerbereiche wurden überprüft:

  • Wand-, Decken- und Giebelfertigung (in Holzrahmenbauweise: Holzskelett aus Vollholz mit Dämmung und ein- oder beidseitiger Holzbeplankung)
  • Materiallager (u. a. für Holzwerkstoffe und Dämmstoffe)
  • Plattenzuschnitt / Abbundanlage (Zuschnitt von verschiedenen Holzplattenelementen und von Konstruktionsvollholz)
  • Versandbereich (Zwischenlagerung und Verladung der Fertigteilelemente)
  • Putzstation (Außenwände mit mineralischem Putz versehen)
  • Fenstereinbau (Einbau von Fenstern, Türen und Fensterbänken in die Fertigelemente)
  • Leimpresse (selten angewendeter Produktionsschritt, um Holzwandverkleidungen aus statischen Gründen zu verkleben)

Die Analytik der Probenträger erfolgte anschließend durch das Institut für Arbeitsschutz (IFA) der DGUV in Sankt Augustin.

Arbeitsplatzgrenzwert deutlich eingehalten

Die durchgeführten Messungen belegen, dass unter den gegebenen Randbedingungen sowohl im Fertigungs- als auch im Lagerbereich der Holzfertighausherstellung der AGW für Formaldehyd deutlich eingehalten wird. Die Ergebnisse lassen formal den Befund „Schutzmaßnahmen ausreichend“ zu.

Auf der Grundlage der umfangreichen Untersuchungen hat die BGHM eine Expositionsbeschreibung erstellt und als Fach-Information Nr. 0060 auf ihrer Homepage veröffentlicht (siehe Infokasten). Die Schrift kann von den Unternehmen für die Durchführung der eigenen Gefährdungsbeurteilung gemäß Gefahrstoffverordnung und für die Festlegung der erforderlichen Maßnahmen herangezogen werden. Der Ermittlungsaufwand kann somit erheblich reduziert werden. Voraussetzung dafür ist grundsätzlich die Übertragbarkeit auf die eigene betriebliche Situation.

Dieter Heinl und Gert Feihle, BGHM