DGUV Information und DGUV Regel

Galvanik – Anforderungen und Empfehlungen für sicheres Arbeiten

Eloxalanlage für Aluminium-Bauteile; © Aalberts Surface Treatment GmbH

Mit der DGUV Information 209-009 „Galvanisieren“, die Ende 2019 erschienen ist, und der DGUV Regel 109-602 „Branche Galvanik“ ist das DGUV-Regelwerk für den Bereich der galvanotechnischen Oberflächenbehandlung komplett an die aktuellen staatlichen und europäischen Vorschriften angepasst. Die Schriften bieten Beschäftigten und Verantwortlichen für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz wertvolle Hinweise.

Verätzungen, Stürze durch Rutschgefahr in Nassbereichen, Abstürze in die galvanischen Prozessbehälter und Quetschungen durch Beschickungseinrichtungen an Galvanikautomaten gehören zu den Gefährdungen in galvanotechnischen Arbeitsbereichen. Darüber hinaus ist nicht zuletzt die dermale, inhalative und orale Aufnahme von Gefahrstoffen möglich. Die DGUV Information 209-009 „Galvanisieren“ unterstützt zusammen mit der DGUV Regel 109-602 „Branche Galvanik“ alle Verantwortlichen für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz bei der Erstellung einer vollständigen Gefährdungsbeurteilung, indem sie sämtliche Sicherheitsvorschriften staatlicher und berufsgenossenschaftlicher Regelwerke gut und verständlich zusammenfasst.

Die Schriften decken dabei thematisch die relevanten galvanotechnischen Verfahren und deren Besonderheiten ab und beschreiben die Sicherheitsanforderungen für die betreffenden Anlagen. Während sich die DGUV Information 209-009 „Galvanisieren“ direkt an die Beschäftigten beziehungsweise an das Anlagen-Bedienpersonal vor Ort richtet, ist die DGUV Regel 109-602 „Branche Galvanik“ in erster Linie an Unternehmerinnen und Unternehmer, Fachkräfte für Arbeitssicherheit sowie an staatliche und berufsgenossenschaftliche Aufsichtspersonen adressiert.

Die DGUV Information 209-009 gibt Beschäftigten konkrete Hinweise für das sichere Arbeiten mit galvanotechnischen Verfahren. Diese umfassen Verfahren zur Oberflächenvorbehandlung wie Beizen, Reinigen und Entfetten, zur Oberflächenbeschichtung wie Verchromen, Verzinken und Vernickeln, sowie Nachbehandlungsverfahren wie Brünieren und Phosphatieren. Dazu gehört auch das Eloxieren als besondere Form der Oberflächenveredelung, um Verschleißschutzschichten zu erzeugen. Lager- und innerbetriebliche Transportarbeiten sowie die Abwasserbehandlung werden in dieser DGUV Information ebenfalls berücksichtigt.

Trotz verbesserter technischer Schutzmaßnahmen, wie dem Einsatz geschlossener Anlagen, einer wirksamen technischen Lüftung sowie der Verwendung von Verrohrungen und Dosiereinrichtungen, kommen Beschäftigte bei ihren Tätigkeiten immer noch mit Gefahrstoffen in Kontakt. Deshalb müssen alle betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die chemischen Gefährdungen bei galvanotechnischen Verfahren kennen, Betriebsanweisungen und Schutzmaßnahmen beachten und die erforderlichen Persönlichen Schutzausrüstungen benutzen.

Das gilt nicht nur für Tätigkeiten am Prozessbehälter, sondern auch für kurzfristige Arbeiten und Nebenarbeiten, die in Bezug auf die Gefährdungen häufig unterschätzt werden, zum Beispiel:

  • Umfüllen von Flüssigkeiten
  • Probennahme und Pflege der Prozessflüssigkeit
  • Kontrollgänge an Automaten und Anlagen
  • Aufhängen und Abnehmen der Bauteile (Gestellware)
  • Befüllen und Entleeren von Trommeln (Trommelware)
  • Entleeren und Reinigen von Behältern und
  • Entsorgen der Rückstände

Instandhaltungspersonal kann wegen unvermutet austretender Flüssigkeiten besonders gefährdet sein, zum Beispiel wenn Flanschverbindungen oder Schrauben gelöst, Armaturen ausgebaut sowie festkorrodierte Ventile, Hähne und Schieber betätigt werden.

Die Vielzahl der Vorschriften führte bis zur Veröffentlichung der DGUV Information 209-009 und der DGUV Regel 109-602 bei Arbeitsschutz-Akteuren mitunter zu Unsicherheit und offenen Fragen. Die im Jahr 2018 erschienene Produktnorm EN 17059 definiert Sicherheitsanforderungen nur für neue Galvanik- und Anodisieranlagen – für den Anlagenbestand bieten nun auch die beiden DGUV-Schriften sinnvolle Übersichten, Praxisbeispiele und Erläuterungen zu geeigneten Schutzmaßnahmen aus Sicht der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes.

Dr. Andreas Voßberg, BGHM

Aufsteck- und Abnahmeplätze von Gestellware; © Aalberts Surface Treatment GmbH

Aufsteck- und Abnahmeplätze von Gestellware

Prozessbehälter mit Randabsaugung; © Barth Galvanik GmbH

Prozessbehälter mit Randabsaugung

Abgedeckte Prozessbehälter mit Randabsaugung; © Hillebrand Chemicals GmbH

Abgedeckte Prozessbehälter mit Randabsaugung

Gut zu wissen

Zur Fachthematik bietet die BGHM ein Seminar unter Verwendung der DGUV Information 209-009 „Galvanisieren“ an. Das Fachseminar „Oberflächenbeschichtung: Lackieren, Galvanisieren“ finden Sie im Seminarangebot der BGHM.