Betriebliches Eingliederungsmanagement und BGHM-Reha-Management

Gesund zurück in den Beruf

Zwei Geschäftsfrauen geben sich die Hände; © racorn/123RF.com

Wie kann Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) in der Praxis aussehen? Das erklären Wolfgang Stöbich, betrieblicher Sozialberater, und Dominic Frick, zuständig für Gesundheits- und Integrationsberatung einschließlich BEM, beide bei der ZF Friedrichshafen AG in Passau.

Wenn Beschäftigte längere Zeit oder häufig wegen Krankheit ausfallen, muss der Arbeitgeber ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) anbieten. Das bedeutet, dass er klären muss, wie die Arbeitsunfähigkeit möglichst überwunden werden und mit welchen Hilfen erneuter Arbeitsunfähigkeit vorgebeugt und der Arbeitsplatz erhalten werden kann. Bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten kommt die BGHM mit ihrem Reha-Management als Partner von Versicherten und Unternehmen hinzu.

BGHM-Aktuell: Wer kann das BEM in Anspruch nehmen?

Wolfgang Stöbich: Anspruchsberechtigt sind nach der gesetzlichen Definition alle Beschäftigten, die innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig sind. Das betriebliche Netzwerk bei ZF bietet frühzeitige Beratungen für Beschäftigte und Vorgesetzte an, wenn sich abzeichnet, dass diese Kriterien in naher Zukunft erfüllt werden könnten.

Wie läuft das Verfahren bei ZF Friedrichshafen ab?

Dominic Frick: Alle zur Teilnahme berechtigten Beschäftigten erhalten das Angebot zum BEM in schriftlicher Form. Es umfasst umfangreiche Informationen über den Ablauf des BEM-Prozesses und eine Übersicht der möglichen Beteiligten. Auch über Datenschutz und Vertraulichkeit werden die Beschäftigten vorab informiert: Alle am BEM-Prozess Beteiligten unterliegen der Schweigepflicht, gesundheitliche Informationen dürfen nur nach Zustimmung der Betroffenen von Ärzten mitgeteilt werden. Die Teilnahme am BEM ist grundsätzlich freiwillig. Als Erstes reflektiert der BEM-Fallbetreuer die Gesamtsituation und erarbeitet mit dem oder der Beschäftigten Lösungen, um die Arbeitsunfähigkeit möglichst zu überwinden, erneuter Arbeitsunfähigkeit vorzubeugen oder den Arbeitsplatz zu erhalten. Bei Bedarf können weitere betriebliche Ansprechpartner wie der Werksarzt, die Personalvertretung, der Betriebsrat oder auch die Schwerbehindertenvertretung einbezogen werden. Außerdem kann das betriebliche Netzwerk bei Bedarf um zusätzliche externe Fachstellen erweitert werden.

Wie viele der im Krankheitsfall angeschriebenen Beschäftigten nehmen das BEM-Verfahren in Anspruch?

Dominic Frick: Durchschnittlich stimmt einer von zwei Beschäftigten der Teilnahme am BEM-Verfahren zu oder sucht den Kontakt zum BEM-Fallbetreuer.

Welches Feedback erhalten Sie von den Beschäftigten?

Dominic Frick: Wir erhalten sehr positives Feedback von den Teilnehmenden des BEM-Verfahrens. Die Beschäftigten wissen es besonders zu schätzen, dass sie für alle Fragen immer in einem vertraulichen Rahmen auf eine fest definierte Ansprechperson zurückgreifen können. Der BEM-Prozess ermöglicht die persönliche Beratung auf Augenhöhe, Voraussetzung hierfür ist die aktive Einbindung der Beschäftigten zu jedem Zeitpunkt im Prozess.

Welche Vorteile sehen Sie im BEM-Verfahren?

Wolfgang Stöbich: Durch die klare Struktur und das starke, flexibel ausbaubare Netzwerk gelingt es, auch komplexe individuelle Situationen der Teilnehmenden aufzugreifen, zu verstehen und erforderliche Hilfestellungen und Unterstützungsmöglichkeiten zu definieren. Das BEM bietet sowohl Vorteile für die Betroffenen als auch für die Arbeitgeberseite: Vorteil für die erkrankte Person ist, dass die BEM-Beauftragten als Lotsen dienen, die frühzeitig und dauerhaft die Rückkehr ins Berufsleben ermöglichen und damit einem drohenden Arbeitsplatzverlust oder einer frühzeitigen Verrentung entgegensteuern. Die Perspektive, wieder ins Berufsleben einsteigen zu können, unterstützt nach unserer Ansicht erheblich den Gesundungsprozess des oder der Betroffenen. Auch der Arbeitgeber profitiert von einem professionell durchgeführten BEM, weil so das Fachwissen langjähriger Beschäftigter erhalten bleibt, ihre Zufriedenheit steigt und Aufwendungen für Arbeitsausfälle und Vertretungen reduziert werden.

Wo sind die Schnittstellen mit dem Reha-Management der BGHM und wie läuft die Zusammenarbeit ab?

Wolfgang Stöbich: Eine wichtige Schnittstelle sehen wir in der Reha-Phase unserer Beschäftigten, nach erfolgter medizinischer Unterstützung und weitgehend fortgeschrittener Genesung, an der Schwelle zu ihrem beruflichen Wiedereinstieg. Die Zusammenarbeit mit dem Reha-Management der BGHM ist immer sehr konstruktiv und vertrauensvoll. Die BGHM-Reha-Managerinnen und -manager koordinieren gemeinsam mit den Erkrankten, Ärzten und Arbeitgebern das Heilverfahren und kümmern sich um eine zeitnahe und dauerhafte berufliche Wiedereingliederung. Ihr Kenntnisstand zur aktuellen Gesundheitssituation der betroffenen Person ermöglicht es, Wiedereingliederungsprozesse oder Belastungserprobungen nach betrieblicher Rücksprache individuell und vor allem frühzeitig anzustoßen.

Gebäude ZF Passau; © ZF

Bei der ZF Friedrichshafen AG in Passau geben die Teilnehmenden des BEM-Verfahrens sehr positives Feedback.