Video- und Telefonkonferenzen

Gute Akustik in Besprechungsräumen

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Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben dazu geführt, dass auch im Geschäftsleben persönliche Treffen immer häufiger durch Telefon- und Videokonferenzen ersetzt werden. Dabei zeigt sich, dass diese Art der Kommunikation auch Vorteile mit sich bringen kann. Es ist somit davon auszugehen, dass Besprechungen auch zukünftig zunehmend in dieser Form erfolgen werden. Auch wenn in Krisenzeiten bei der Raumakustik Improvisationstalent gefragt sein mag, etwa weil Mindestabstände einzuhalten sind oder weil Beschäftigte im Homeoffice sind: Nur eine möglichst gute Akustik sorgt dafür, dass sich die Teilnehmenden auch gut verstehen.

Neben der technischen Ausstattung in einem geeigneten Besprechungsraum sind es vor allem die akustischen Gegebenheiten, die zu einer erfolgreichen Video- oder Telefonkonferenz beitragen. Denn: Schlechtes Verstehen der Wörter bedeutet auch schlechtes Verstehen der Inhalte.Bei der Ausstattung von Besprechungsräumen werden oft harte, schallreflektierende Oberflächen bevorzugt, wie Holzböden, Glaswände und freiliegende Ziegelwände. Die Folge ist häufig eine mangelhafte Raumakustik durch Schallreflektionen – eine sogenannte Halligkeit. Auch Lärm von außen oder von innen und dadurch entstehende Raum-echos verschlechtern die Akustik.

Lärm von außen und von innen

Lärm von außen kommt beispielsweise vom Straßenverkehr, von benachbarten Baustellen oder von Gartengeräten. Dazu entsteht Lärm, auch im Gebäude, etwa durch innerbetrieblichen Transport, Fertigungsmaschinen oder Aufzugsanlagen. Der Lärmpegel, der von außen in einen Besprechungsraum eindringt, sollte nicht mehr als 35 dB(A) betragen. Ist der Pegel höher, sollten ein innerbetrieblicher Umzug des Besprechungsraums oder Lärmminderungsmaßnahmen in Betracht gezogen werden, wie zum Beispiel Schallschutzfenster oder Türen mit dicht schließenden Zargen und Schwellen. Tieffrequenter Lärm von außen kann nur durch massives Mauerwerk und nicht mittels dünner Trennwände reduziert werden.

Für Videokonferenzen sollte ein eigener geschlossener Raum mit leiser Lüftungsanlage vorhanden sein. Geräusche können jedoch auch im Besprechungsraum entstehen. Das Rutschen der Stuhlbeine auf glatten Bodenbelägen lässt sich mit Filzgleitern vermindern, das Klappern von Kaffeetassen durch Tassendeckchen oder ausgewähltes Geschirr.

Halligkeit – Berechnung und Gegenmaßnahmen

Die Halligkeit bewertet man in einer lärmbezogenen Arbeitsplatzbegehung. Wirkt der Raum hallig? Gibt es schallharte und glatte Materialien an Decken, Fußböden oder Wänden, wie etwa viele Fensterflächen? Eine objektive Bewertung lässt sich durch die Messung der Nachhallzeit durchführen. Hierbei unterstützt der messtechnische Dienst der BGHM.

© BGHM

Schallschluckende Bilder

Die optimale Nachhallzeit für Videokonferenzräume errechnet sich anhand des Raumvolumens nach Raumgruppe A4 der DIN 18041.

Hiermit ergeben sich die folgenden Nachhallzeiten:

Raumgröße V in m³ Nachhallzeit TSoll,A4 in s
30 bis 60 0,24
60 bis 120 0,32
120 bis 240 0,40
240 bis 500 0,48

Personen mit Hörschäden empfinden die Raumakustik günstiger, je kürzer die Nachhallzeit ist. Dasselbe gilt auch für die fremdsprachliche Kommunikation. Da tieffrequente Anteile in der Sprache die Sprachdeutlichkeit verringern, ist in der Lautsprecheranlage ein Hochpassfilter sinnvoll. Ein ausgeglichener Frequenzgang zwischen 125 Hz und 5.000 Hz ist anzustreben. Für tieffrequenten Lärm sind zudem Eckenabsorber oder für bestimmte tiefe Frequenzen Resonanzabsorber zu empfehlen. Zu den wesentlichen baulichen Maßnahmen, die die Halligkeit eines Raums mindern und die Sprachverständlichkeit verbessern, gehören

  • schallabsorbierende Akustikdecken,
  • schallabsorbierende Wände mit großformatigen Akustikbildern
  • und dicke Teppichböden.

Helmut Schmischke, Peter Hammelbacher und Gudrun Kühlen

Gut zu wissen: Akustik bei Konferenzen im Homeoffice

Aufgrund der Corona-Krise waren oder sind sehr viele Beschäftigte derzeit im Homeoffice tätig. Sie nehmen also von zu Hause aus an Telefon- und Videokonferenzen teil. Leider steht nicht allen Betroffenen tatsächlich ein Büroraum zur Verfügung, sondern sie müssen improvisieren. Auf die Raumakustik können sie nur begrenzt Einfluss nehmen. Umso wichtiger ist es, während der Konferenz zumindest eigene Störgeräusche, wie zum Beispiel Tastatur- oder Tassenklappern, zu vermeiden. Sofern sich nicht zu verhindernde Hintergrundgeräusche störend auf die anderen Gesprächsteilnehmerinnen und -teilnehmer auswirken, sollte das Mikrofon in Pausen zwischen den eigenen Wortbeiträgen stumm geschaltet werden. Ein Headset bietet oft eine gute Kommunikationslösung, wobei Mikrofon und Kopfhörer sorgfältig eingestellt werden müssen. Hierbei kann es hilfreich sein, die eigene Verständlichkeit per Testanruf im Kollegenkreis zu prüfen. Gut sitzende kabellose Headsets bieten zudem Bewegungsfreiheit und helfen somit, Verspannungen entgegenzuwirken.

Kurz erklärt: Verhaltenskodex für Video- und Telefonkonferenzen

Mit folgendem Verhalten sorgen Teilnehmerinnen und Teilnehmer für eine bessere Verständlichkeit:

  • gegebenenfalls Headsets benutzen,
  • rechtzeitiges Einwählen und Prüfen der Verbindung,
  • Papierrascheln vermeiden,
  • Tippen auf einer Tastatur vermeiden,
  • Klappern mit Kaffeetassen vermeiden,
  • wenn möglich Mikrofon ausschalten.