Neue Schrift: Fachbereich AKTUELL 108

Hinweise zu Beschaffung, Nachrüstung und sicherem Betrieb von Mehrblattkreissägen

Mehrblattkreissäge; © DGUV

Mehrblattkreissägen sind Holzbearbeitungsmaschinen, die üblicherweise zum Besäumen waldkantiger Bretter sowie zum Auftrennen von Balken und Platten verwendet werden. Die Mitte 2020 veröffentlichte Publikation Fachbereich AKTUELL 108 „Mehrblattkreissägen“ gibt Tipps, wie Betriebe bei Verwendung solcher Maschinen die Arbeitssicherheit erhöhen können: von der Beschaffung über die Nachrüstung bis hin zum sicheren Betrieb.

Für das sichere Arbeiten an den Maschinen ist unter anderem auch die Konstruktion von Bedeutung: Mehrblattkreissägen können eine oder mehrere Sägewellen besitzen. Auf jeder dieser Sägewellen können mehrere Sägeblätter montiert werden. Die Drehrichtung der Sägeblätter in Verbindung mit der Vorschubrichtung des Materials bestimmt die Ausschussrichtung von Werkstücken beziehungsweise von Werkstückteilen im Fehlerfall.

Unterschieden werden die Arbeitsverfahren Gegenlauf und Gleichlauf. Da Mehrblattkreissägen im Gegensatz zu herkömmlichen Kreissägen fast ausnahmslos keine Spaltkeile besitzen, werden zum Schutz gegen Ausschüsse Rückschlaggreifer und Splitter-Fangeinrichtungen (im Gegenlauf) beziehungsweise ein Ausschusskanal in Verbindung mit Querabzug (im Gleichlauf) verwendet. Deren Ausführungen und Anordnungen sind elementarer Teil der Sicherheitseinrichtungen zum Schutz der Bedienperson.

Maschinen-Richtlinie bei der Beschaffung beachten

Handbeschickte Mehrblattkreissägen fallen in den Anhang IV der Maschinen-Richtlinie. Deshalb sind im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) besondere Verfahren zum Inverkehrbringen für den Hersteller oder Importeur zu beachten. Das gilt insbesondere, wenn der Betreiber die Maschine direkt aus dem außereuropäischen Raum importiert. Ebenso wichtig ist die Konstruktion der Mehrblattkreissägen mit der anzuschließenden Peripherie – sie muss zu dem in der Praxis zu sägenden Holz passen. Ist zum Beispiel die Verarbeitung von knorrigem oder verworfenem Holz zu erwarten, ist eine schnell zum Stillstand kommende, gebremste Mehrblattkreissäge mit einfacher Störungsbeseitigung besonders geeignet.

Gefährdungsbeurteilung vornehmen

Der Betreiber muss schon bei der Beschaffung eine Gefährdungsbeurteilung der Mehrblattkreissäge als Arbeitsmittel unter Beachtung der speziellen Bedingungen der Arbeitsstätte und der Arbeitsabläufe durchführen. Dabei sind neben dem Unfallgeschehen auch die Faktoren „Lärm“ (bei Mehrblattkreissägen beträgt dieser in der Regel > 90 dB(A)) und „Heben und Tragen beim Beschicken und Abnehmen der Werkstücke“ zu berücksichtigen. In der Fachbereich AKTUELL 108 sind einige Haupt-Unfalltypen aufgeführt. Sie basieren auf einer Auswertung von mehr als 100 gut dokumentierten Mehrblattkreissäge-Maschinenunfällen. Zur Risiko-Einstufung ist zusätzlich die maximale aufgetretene Unfallschwere angegeben.

Ausgehend von den Unfallursachen, die überwiegend bei älteren, vergleichsweise offenen Mehrblattkreissägen mit unzureichenden Schutzeinrichtungen vorkommen, werden Empfehlungen zur Verhütung dieser Unfälle gegeben. Die empfohlenen technischen Konzepte orientieren sich am Stand der Technik, wie er in früheren harmonisierten Produktnormen – und auch späteren Normen – in Verbindung mit der Maschinen-Richtlinie beschrieben ist. Zum weiteren sicheren Betreiben von älteren Maschinen ist gegebenenfalls eine technische Nachrüstung durchzuführen.

Der sichere Betrieb

Ein sicherer Betrieb setzt sichere Arbeitsmittel voraus. Damit die Maschine in einem arbeitssicheren Zustand bleibt, sind regelmäßig wiederkehrende Prüfungen der Sicherheitseinrichtungen notwendig. Das gilt insbesondere für die Schutzeinrichtungen – ergänzt durch wöchentliche Sicht- und Funktionsprüfungen, um defekte oder manipulierte Schutzeinrichtungen zu entdecken. Insbesondere Rückschlaggreifer und Splitterfänger können ihre Aufgabe nur übernehmen, wenn sie vollständig vorhanden, richtig eingestellt und leichtgängig sind.

Verwenden Beschäftigte Schutzhandschuhe an Walzen und sich drehenden Teilen, besteht eine erhöhte Einzugs- und Verletzungsgefahr. Das haben Unfälle in der Vergangenheit gezeigt. Deshalb sollte bei Arbeiten mit Schutzhandschuhen sichergestellt sein, dass keine drehenden Teile erreichbar sind. Besonders kritisch – und ebenfalls durch Unfallgeschehen belegt – ist das Benutzen von Hilfsmitteln wie Latten und Schläuchen zur Störungsbeseitigung bei laufender Maschine. Der Einzug über die Sägeblätter erfolgt sehr viel schneller, als das Loslassen möglich ist. Deshalb muss die Störungsbeseitigung stets an der stillstehenden Maschine erfolgen.

Unfälle Anteil Unfallzahlen
ca.
Anteil Gesamtkosten
ca.
max. Unfall-/
Verletzungsschwere
Kontakt mit laufendem/
nachlaufendem Maschinenteil, davon:
24% 55%
Laufende/nachlaufende Sägeblätter 13% 29% Handabtrennung
Vorschub- bzw. Auszugsrollen 2% 11% schwere Unterarmverletzung
Sonstige 9% 15%
Ausschüsse von Werkstücken/
Werkstückteilen (Splitter), davon:
66% 44%
Einschubseite 52% tödlich
sonstige Seiten 14% 4% schwere Gesichts-/Kieferverletzung
von Drittperson
Sonstige Unfälle 10% 1%

Unfallgeschehen an Mehrblattkreissägen. Die Anteile beziehen sich jeweils auf die untersuchten 102 Arbeitsunfälle. (Quelle: Fachbereich AKTUELL 108)