Innerbetrieblicher Transport in Hüttenwerken, Walzwerken und Gießereien

Hinweise zum sicheren Führen von Kranen

Kranhaken; © Stocklib/emel82

Beim innerbetrieblichen Transport von feuerflüssigen Massen mit Gießpfannen, beim Wechsel von Segmenten an Stranggießanlagen, beim Transport von Schlacke vom Entstehungsort oder beim Chargieren von Schrott entstehen spezielle Gefährdungen. Die DGUV Information 209-091 unterstützt Kranführerinnen und Kranführer in Hüttenwerken, Walzwerken und Gießereien dabei, diese Gefährdungen zu erkennen und zu minimieren.

Beim innerbetrieblichen Transport von schweren Lasten in extremer Umgebung, wie etwa in Hüttenwerken, Walzwerken oder Gießereien, kommen viele hoch beanspruchbare Krane zum Einsatz. Es ist sehr wichtig, dass Personen, die diese Krane führen, für diese speziellen Transporte ausgebildet sind. Ihr Können und ihr verantwortungsbewusstes Handeln haben wesentlichen Einfluss auf die Sicherheit beim Transport von Lasten mit erhöhtem Risiko. Über das Wissen hinaus, das sie sich bei ihrer Ausbildung zum Führen von Kranen erworben haben, gibt ihnen die DGUV Information 209-091 „Führen von Kranen: Innerbetrieblicher Transport mit Kranen in Hüttenwerken, Walzwerken und Gießereien“ wichtige Hinweise und Empfehlungen, wie sie die speziell bei dieser Art des innerbetrieblichen Transports entstehenden Gefährdungen erkennen und verstehen können. Das ermöglicht es ihnen, richtig zu handeln und das Unfallrisiko zu senken.

Die DGUV Information erläutert zunächst die rechtlichen Grundlagen. So müssen Kranführerinnen und Kranführer gut ausgebildet sein. Das sind sie zum Beispiel, wenn sie erfolgreich an einem Lehrgang nach dem DGUV Grundsatz 309-003 „Auswahl, Unterweisung und Befähigungsnachweis von Kranführern“ teilgenommen haben. Inhalt und Dauer der betrieblichen anlagenbezogenen Unterweisung sind dabei abhängig von der zu steuernden Kranart, von den auszuführenden Kranarbeiten einschließlich Anschlagarbeiten, vom betrieblichen Umfeld, von den Vorkenntnissen und von der Anzahl der Lehrgangsteilnehmenden.

Transport von feuerflüssigen Massen in einer Gießpfanne; © thyssenkrupp Steel Europe AG

Transport von feuerflüssigen Massen in einer Gießpfanne

Transport von Schrott mit einem Brückenkran; © thyssenkrupp Steel Europe AG

Transport von Schrott mit einem Brückenkran

Besondere Anforderungen in Hüttenwerken

Kranführerinnen und Kranführer in Hüttenwerken handhaben unterschiedliche Lasten, von Schrottchargen über das Metall in geschmolzenem Zustand – die feuerflüssigen Massen – bis hin zum (fast) fertigen Produkt – der Bramme, dem Blech, dem Block oder dem Knüppel. Die dafür eingesetzten Krane sind meist stark beanspruchbar und besitzen eine hohe Tragfähigkeit. In Hütten- und Walzwerksbetrieben erhält das Kranführungspersonal in der Krankabine zum einen kranspezifische Daten.

Darüber hinaus werden Informationen über Produktionsprozessabläufe, Daten aus dem Betriebsdatenerfassungssystem sowie aus dem Lagerverwaltungssystem visualisiert. Aufgrund dieser zusätzlichen Informationen müssen Kranführerinnen und Kranführer eine erweiterte Tätigkeit ausführen, die den nachfolgenden Produktionsprozess maßgeblich beeinflusst, gleichzeitig aber die Gefahr von Ablenkung, Reizüberflutung und Abstumpfung mit sich bringt. Beschäftigte in diesem Bereich müssen also weitergehende, spezielle Kenntnisse haben und besonders unterwiesen worden sein.

Last ist nicht gleich Last – unterschiedliches Gefährdungspotenzial

Im Hüttenwerk geht’s recht rau zu; es qualmt und raucht (allerdings sind hier hocheffiziente Absaugsysteme im Einsatz), es ist laut und vor allem: Es ist warm. In dieser Umgebung handhaben Kranführerinnen und Kranführer Lasten mit unterschiedlichem Gefährdungspotenzial. Die DGUV Information 209-091 beschreibt die Vielzahl der Krane und Lastaufnahmemittel, die für die verschiedenen Aufgaben in Hüttenwerken eingesetzt werden, und die damit einhergehenden Gefährdungen.

Beim Transport von Schrott können zum Beispiel Teile der Ladung verloren gehen; überhängende Schrottteile, wie Besäumschrott oder Schlingen, können sich verhaken, verklemmen, ausschlagen oder im schlimmsten Fall Personen mitreißen. Beim Transport feuerflüssiger Massen müssen kranführende und anschlagende Personen schon beim Anhängen des Aufnahmebehälters in den Kranhaken darauf achten, dass der Aufnahmebehälter mit den Zapfen genau im Lamellenhaken liegt. Liegen die Zapfen dagegen auf den Hakenspitzen auf, kann dies zum Absturz des Aufnahmebehälters führen. Durch Anfahr- oder Bremsbewegungen oder durch unkontrollierte Kranbewegungen kann der Aufnahmebehälter überschwappen. In Anbetracht der Tatsache, dass flüssiger Stahl ungefähr so viskos – also „flüssig“ – ist wie Wasser, kann man sich die Folgen leicht vorstellen; dass Krane, die feuerflüssige Massen transportieren, im Betrieb stets Vorfahrt gegenüber allen anderen Fahrzeugen haben, ist daher auch nachvollziehbar.

Beim Transport von zum Beispiel Brammen besteht ebenfalls ein Risiko des Lastabsturzes, wenn der Greifer die Bramme nicht korrekt erfasst hat. Besonders im Notfall muss die Kranführerin oder der Kranführer „Nerven wie Stahlseile“ haben: Beim drohenden Durchbruch eines Aufnahmebehälters und bei einem dadurch notwendigen Notabguss muss er oder sie den Aufnahmebehälter unter Einhaltung der hierfür geltenden Notfallmaßnahmen und Sicherheitsvorschriften schnellstens zur dafür vorgesehenen Notabgussstelle fahren. Hier ist also das ganze Können der Kranführerin oder des Kranführers, aber auch das der Anschlagenden, und ihr Gefühl für die Last und deren spezifisches Verhalten gefordert.

Einfüllen von feuerflüssigem Stahl in den Konverter; © thyssenkrupp Steel Europe AG

Einfüllen von feuerflüssigem Stahl in den Konverter

Rotes Balkenlicht an einem Regalbedienkran; © Aluminium Norf GmbH

Rotes Balkenlicht an einem Regalbedienkran

Sehen und gesehen werden – Assistenz- und Hilfssysteme

Es gibt Assistenz- und Hilfssysteme, die bei der sicheren Lastaufnahme unterstützen und die Möglichkeit einer unbeabsichtigten Betätigung von Steuereinrichtungen reduzieren. Diese können unter bestimmten Voraussetzungen eingesetzt werden, sind aber nicht für alle Krane vorgeschrieben, und die Nachrüstung ist nicht grundsätzlich gefordert. Hier gilt das Prinzip der Verhältnismäßigkeit. Die DGUV Information 209-091 behandelt diese Absicherungen in den Abschnitten 6 bis 9.Dazu gehören zum Beispiel „Blue Point“, also blaues Punktlicht, oder rotes Balkenlicht, das so angebracht ist, dass das Licht den Weg des Krans auf dem Boden zeichnet.

Für den Transport gelten zwar die Bestimmungen des Paragrafen 30 Abs. 9 der DGUV Vorschrift 52 „Krane“, der zufolge Kranführerinnen oder Kranführer Lasten nicht über Personen hinweg führen sollen, aber mitunter befinden sich, bedingt durch ihre Tätigkeit oder durch die Tatsache, dass kein anderer Fahrweg möglich ist, eben doch Personen im Arbeitsbereich eines Krans. Mit dem Punkt- oder Balkenlicht werden diese Personen optisch vor dem Kran gewarnt und haben die Möglichkeit, sich entweder gar nicht erst in den Gefahrenbereich zu begeben oder – wenn sie sich darin aufhalten – diesen zügig zu verlassen.

Ein weiteres Sicherungssystem ist die Hakenmaulüberwachung, eine Überwachungseinrichtung beim Aufnehmen von Pfannen. Dieses Assistenzsystem soll kranführende und anschlagende Personen dabei unterstützen, die Bolzen des Pfannengehänges oder die Zapfen der Pfanne vor Beginn des Hubvorgangs im Hakenmaul der Lamellenhaken zu positionieren. Störungen werden der Kranführerin oder dem Kranführer gemeldet.Ist die Sicht stark eingeschränkt, können Kamerasysteme eingesetzt werden. Diese Assistenz- und Hilfssysteme haben sich in der Praxis bereits gut bewährt.

Dietmar Kraus, BGHM

Hintergrund: Zusammenarbeit für die Praxis

Die DGUV Information 209-091 wurde vom Sachgebiet Hütten-, Walzwerksanlagen, Gießereien und Hebetechnik der DGUV in Zusammenarbeit mit Experten aus Betrieben der betreffenden Branchen erstellt. So ist sichergestellt, dass die Informationen und Beispiele in der Broschüre größtmöglichen Nutzen für die betriebliche Praxis bieten.

Weitere Informationen

DGUV Informationen auf bghm.de