DGUV Regel 112-198

PSA gegen Absturz: Neue Hinweise und Informationen 

Grafik: Mann gesichert mit PSA gegen Absturz

Persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz schützen vor tödlichen Risiken. Die Ende 2019 aktualisierte DGUV Regel 112-198 „Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz“ unterstützt Unternehmerinnen, Unternehmer und andere Arbeitsschutz-Akteure bei der Auswahl und der korrekten Benutzung dieser PSA.

PSA gegen Absturz (PSAgA) kommen erst zum Einsatz, wenn alle technischen und organisatorischen Schutzmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Doch was gilt es zu beachten? Im einführenden Teil erläutert die aktualisierte DGUV Regel 112-198 die rechtlichen Grundlagen und die Verantwortung der Hersteller. Da PSAgA in die höchste Risikokategorie, die Kategorie III, eingestuft sind, muss vor dem Inverkehrbringen eine EU-Baumusterprüfung durchgeführt werden sowie eine Produktionskontrolle durch eine unabhängige Stelle gewährleistet sein. Unternehmen dürfen nur PSAgA bereitstellen, die mit einer CE-Kennzeichnung einschließlich der vierstelligen Nummer der notifizierten Stelle versehen sind.

in neues Schema gibt einen Überblick über die persönlichen Absturzschutzsysteme, von denen PSAgA nur ein Teilbereich sind. Zur PSAgA gehören Auffang-, Rückhalte- und Arbeitsplatzpositionierungssysteme. In der Broschüre wird jedes System vorgestellt und mit detaillierten Abbildungen veranschaulicht.

Mehr Informationen zur Gefährdungsbeurteilung

Der Abschnitt zur Gefährdungsbeurteilung ist in der neuen DGUV Regel 112-198 wesentlich umfangreicher als in der Vorgänger-Version. Er soll Verantwortliche bei der Auswahl und dem Einsatz der richtigen PSAgA unterstützen. Dabei ist zum Beispiel zu prüfen, ob sie:

  • geeigneten Schutz gegenüber den abzuwehrenden Gefahren bietet, ohne selbst eine größere Gefahr mit sich zu bringen,
  • den ergonomischen Anforderungen der Beschäftigten genügt,
  • den Beschäftigten individuell angepasst werden kann,
  • für die am Arbeitsplatz gegebenen Bedingungen geeignet ist.

Es ist sicherzustellen, dass für die Befestigung der PSAgA bauseits geeignete Einrichtungen oder Konstruktionen mit den erforderlichen Tragfähigkeiten vorhanden sind. Zudem ist zu gewährleisten, dass eine Person im Falle eines Sturzes unverzüglich gerettet werden kann. Dafür müssen Verantwortliche vor Arbeitsaufnahme ein geeignetes Rettungskonzept festlegen. Informationen dazu bietet die DGUV Regel 112-199 „Retten aus Höhen und Tiefen mit persönlichen Absturzschutzausrüstungen“.

Die DGUV Regel 112-198 gibt auch umfangreiche Hinweise für die Auswahl der richtigen PSAgA. Sie beschreibt Eigenschaften, Aufbau und Einsatzmöglichkeiten der verschiedenen Komponenten; Abbildungen veranschaulichen diese Informationen. Die einzelnen Bestandteile der PSA werden detailreich erläutert und es wird darauf hingewiesen, welche Faktoren bei der Zusammenstellung der Systeme zu berücksichtigen sind: Bei einem möglichen Sturz ins Wasser ist zum Beispiel darauf zu achten, dass eine Rettungsweste über und nicht unter dem Auffanggurt getragen wird, damit sie sich auch vollständig entfalten kann.

Antworten und Tipps mit Mehrwert für die Praxis

Die DGUV Regel 112-198 beantwortet zahlreiche Fragen. Zum Beispiel die, worin sich dauerhaft und nicht dauerhaft angebrachte Anschlageinrichtungen unterscheiden: So ist bei dauerhaft angebrachten Anschlageinrichtungen darauf zu achten, dass bei den sicherheitstechnischen Nachweisen die Befestigung mit dem Untergrund einbezogen wurde. Die Montage ist nach Herstellervorgaben durchzuführen und ausführlich zu dokumentieren, da dies eine wesentliche Grundlage für die fachgerechte Durchführung der späteren regelmäßigen Sachkundigenprüfung ist. Die Anforderungen an Anschlageinrichtungen, die von der baulichen Einrichtung wieder entfernt werden können, sind in DIN EN 795 und, bei Benutzung durch mehrere Personen gleichzeitig, zusätzlich in DIN CEN/TS 16415 geregelt.

Die DGUV Regel informiert auch darüber, wie man verhindert, dass Personen aus fahrbaren Arbeitsbühnen geschleudert werden: Es sind Ausrüstungen nach DIN 19427 (zum Beispiel Höhensicherungsgeräte) zu verwenden, deren Systemlänge maximal 1,8 Meter beträgt. Der Abschnitt zur Benutzung von PSAgA geht ebenfalls konkret auf die einzelnen Bestandteile und deren bestimmungsgemäße Verwendung, aber auch auf Fehlanwendungen und sichere Alternativen ein: Beispielsweise kann die Funktionsfähigkeit eines Falldämpfers bei unsachgemäßem Anschlagen so stark eingeschränkt sein, dass das System bei einem Sturz versagt und dass es zu einem schweren Unfall kommen kann. Auch zur Benutzung von PSAgA in explosionsgefährdeten Bereichen gibt es nun ausführlichere Hinweise.

Mit der neuen DGUV Regel 112-198 werden aktuelle Entwicklungen bei den Herstellern von PSAgA aufgenommen und die derzeitigen rechtlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt. Viele anschauliche Abbildungen sowie die Hinweise zur Wartung, Reinigung, Aufbewahrung und Prüfung der PSA erhöhen den Praxiswert der Broschüre. Dazu tragen auch die Beispiele für eine Betriebsanweisung sowie eine Dokumentation der Prüfung bei.

Stephan Mrosek, BGHM

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