Fluchtwege richtig einrichten und betreiben

Raus hier!

Schild Rettungsweg; © BGHM nach ASR A1.3

Das schnelle und sichere Verlassen von Arbeitsplätzen muss zu jeder Zeit durch Fluchtwege und Notausgänge sichergestellt sein. Fluchtwege sind in der Regel identisch mit den Rettungswegen und dienen der Feuerwehr zur Brandbekämpfung – deshalb sind sie stets freizuhalten. Verstellte Fluchtwege können im Gefahrfall Menschenleben kosten.

Für den Gefahrfall sind Fluchtwege erforderlich, auf denen die Beschäftigten die Arbeitsstätte jederzeit selbständig verlassen können. Damit dabei niemand zu Schaden kommt, stellt der Gesetzgeber hohe Anforderungen an die Einrichtung und das Betreiben von Fluchtwegen als Teil des vorbeugenden Brandschutzes. Diese sind in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten ASR A2.3 „Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan“ konkretisiert. Fluchtwege müssen nach dieser Regel

  • sich in Anzahl, Anordnung und Abmessung nach der Nutzung, der Einrichtung und den Abmessungen der Arbeitsstätte sowie nach der höchstmöglichen Anzahl der dort anwesenden Personen (Beschäftigte sowie zum Beispiel Besucherinnen und Besucher) richten,
  • auf möglichst kurzem Weg ins Freie oder, falls dies nicht möglich ist, in einen gesicherten Bereich führen und
  • in angemessener Form und dauerhaft gekennzeichnet sein.

Für die Gestaltung von Arbeitsstätten ist unter anderem auch das landesspezifische Bauordnungsrecht maßgeblich. Für Sonderbauten, zum Beispiel Versammlungsstätten oder Hochhäuser, können weitergehende Anforderungen an Rettungswege bestehen.

Erster und zweiter Fluchtweg

Den ersten Fluchtweg bilden die für die Flucht erforderlichen Verkehrswege und Türen, die nach dem Bauordnungsrecht notwendigen Flure und Treppenräume für notwendige Treppen sowie die Notausgänge. Der zweite Fluchtweg führt durch einen zweiten Notausgang, der auch als Notausstieg gestaltet sein kann. Das Erfordernis eines zweiten Fluchtweges ergibt sich in Arbeitsstätten aus der Gefährdungsbeurteilung unter besonderer Berücksichtigung der vorliegenden spezifischen Verhältnisse, zum Beispiel einer erhöhten Brandgefahr.

Barrierefreie Fluchtwege

Die zusätzlichen Anforderungen an barrierefreie Fluchtwege in Arbeitsstätten sind im Anhang „A2.3: Ergänzende Anforderungen zur ASR A2.3 ,Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan‘“ der ASR V3a.2 „Barrierefreie Gestaltung von Arbeitsstätten“ festgelegt. Beschäftigt der Arbeitgeber Menschen mit Behinderung, so hat er den Anhang A2.3 beim Einrichten und Betreiben der Fluchtwege zu berücksichtigen. Auch das Bauordnungsrecht stellt Anforderungen an die barrierefreie Gestaltung, zum Beispiel bei öffentlich zugänglichen Gebäuden. Ob die Arbeitsstätte davon betroffen ist, ist im Einzelfall zu prüfen.

Fluchtweglänge und Breite

Die Länge der Fluchtwege ist in Abhängigkeit von vorhandenen Gefährdungen festzulegen sowie in Abhängigkeit von der Lage und Größe des Raumes anzuordnen. Ein Fluchtweg darf nach ASR A2.3 maximal 35 Meter lang sein (Luftlinie). Die tatsächliche Laufweglänge darf jedoch nicht mehr als das 1,5-fache der Fluchtweglänge betragen. Fluchtwege können auch gleichzeitig Rettungswege sein. Das Bauordnungsrecht kann für Rettungswege von den Regelungen der Arbeitsstätte abweichende längere Weglängen zulassen. Die Mindestbreite der Fluchtwege hängt von der Zahl der gleichzeitig anwesenden Beschäftigten ab, die im Gefahrfall den Fluchtweg benutzen müssen. Andere anwesende Personen wie Besucher müssen dabei ebenfalls berücksichtigt werden.

Nr.

Anzahl der Personen (Einzugsgebiet)

Lichte Breite (in m)

1 bis 5 0,875
2 bis 20 1,00
3 bis 200 1,20
4 bis 300 1,80
5 bis 400 2,40

„Mindestbreite der Fluchtwege“ gemäß ASR A2.3

Türen im Verlauf von Fluchtwegen

Türen in Fluchtwegen müssen in Fluchtrichtung (bei Ausfall der Kraftbetätigung auch manuell) jederzeit leicht zu öffnen sein, solange Personen im Gefahrenfall auf die Nutzung des entsprechenden Fluchtweges angewiesen sind. Automatische Schiebetüren (ausgenommen Feuer- und Rauchschutztüren) dürfen nur verwendet werden, wenn sie sich bei Ausfall der Energiezufuhr selbsttätig öffnen oder über eine manuelle Öffnungsmöglichkeit verfügen.

Notausgangstüren

Auch an Notausgangstüren gibt es Anforderungen aus der Arbeitsstättenverordnung. So müssen sich die Türen von Notausgängen von innen ohne besondere Hilfsmittel jederzeit leicht öffnen lassen, solange sich Personen in der Arbeitsstätte befinden. Außerdem müssen sie in angemessener Form und dauerhaft gekennzeichnet und freigehalten sein. Um im Gefahrfall eine Traubenbildung von flüchtenden Personen vor Notausgängen zu verhindern, hat der Gesetzgeber zwingend gefordert, dass diese Türen immer nach außen aufgehen müssen. Da hilft auch kein anderes Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung.

Thomas Rüschenschmidt, BGHM