Kommunikation in der Krise

Reden hilft!

Personen mit Sprechblasen; © Petr Vaclavek/Fotolia.com

Die Psyche des Menschen gewöhnt sich auch an Krisen, da Gewohnheiten aus Erfahrungen und diese wiederum aus Erlebnissen und Wissen entstehen. Anders gesagt: Es entwickelt sich bei allen Personen eine Lerngeschichte zum Umgang mit einer Pandemie. Das kann zu einem besseren Umgang mit vielen Themen führen, auch in Bezug auf eine sachliche Kommunikation, die die Sicherheit im Blick hat.

In der Corona-Krise hat sich einmal mehr bestätigt, dass seriöse Informationen wertvoller sind als „Verschwörungstheorien“ und Panikmache. Menschen haben gelernt, dass es hilfreich ist, nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen, wenn man Lösungen finden muss, mit denen eine Mehrheit gut leben und gesund bleiben kann. Gute Kommunikation in Krisen sorgt für solides Wissen und eine kontrollierbar-gelassene Gefühlslage. Das schafft psychologische Sicherheit und erhält die Handlungsfähigkeit.

Folgende Tipps sind für die betriebliche Alltagskommunikation nützlich. Wenden Unternehmerinnen und Unternehmer, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Sicherheitsbeauftragte und alle anderen Kommunikatoren im Betrieb diese an, können sie verhindern, dass Panik entsteht, und sie können gesunde und sichere Arbeit fördern:

  • Alle Beschäftigten sollten die gleichen, verlässlichen Informationen in gleichen Abständen und über mehrere Kanäle erhalten. Dies wird verlässliche Regelkommunikation genannt.
  • Vermeintliche Helden sind meist einsam. Deshalb gilt: Gemeinsame Probleme sollten gemeinschaftlich gelöst werden. Auch externe Hilfe kann gut unterstützen.
  • Ehrlich währt am längsten. Das gilt insbesondere in der Kommunikation von schwierigen oder konfliktbehafteten Sachverhalten. Vertuschen und Schönreden zerstören Vertrauen. Deshalb sind Beschäftigte sachlich und ehrlich über Situationen und Möglichkeiten, aber auch über Grenzen und No-Gos zu informieren.
  • Speziell Krisen bringen bewegte Zeiten mit sich. Infolgedessen können Entscheidungen getroffen werden, die sich im Nachhinein als ungeeignet herausstellen. Es ist wichtig, zu Fehlern zu stehen und den Mut zu haben, diese zu revidieren. Fehler eröffnen die Möglichkeit, es beim nächsten Mal anders und vor allem besser zu machen. Ohne Fehler gibt es keine Entwicklung. Auch ein Scheitern, das wir als solches annehmen, öffnet neue Wege.
  • Für erfolgreiche und verbindliche Absprachen müssen sich Menschen häufig nicht persönlich an einem Ort begegnen. Es kommt insbesondere darauf an, präzise und eindeutig zu kommunizieren. Auch ist es wichtig, sich zu vergewissern, dass das Gegenüber die Botschaft wirklich verstanden hat, zum Beispiel durch gezielte Rückfragen und eine Zusammenfassung der Ergebnisse.
  • Gefährdungen zu minimieren heißt auch, eigenverantwortlich zu handeln, denn nicht alles ist regelbar. In vielen „behavior based safety“-Ansätzen – also Ansätzen, die das individuelle Verhalten als Grundlage für sichere Arbeit sehen – hat sich dazu eine „First Minute Risk Analysis“ bewährt. Dazu sollten in einem Kurzcheck die Sicherheits- und Gesundheitsgefährdungen, die möglichen Rettungswege und Hilfen im Notfall betrachtet werden. Dieser sollte unmittelbar vor der Tätigkeitsaufnahme durchgeführt werden.

Weitere wirksame Ansätze dazu, wie eine erfolgreiche Sicherheitskommunikation gelingen kann, finden Sie in der BGHM-Fach-Information 0069 „Sicheres und gesundes Verhalten steuern“, in der BGHM-Broschüre „Damit es rundläuft im Betrieb“ und der DGUV Broschüre „Sicherheit und Gesundheit in Veränderungsprozessen“. Nutzen Sie die Angebote und bleiben Sie als Verantwortliche oder Verantwortlicher im Arbeitsschutz mit den Beschäftigten im Betrieb im Gespräch!

Susanne Neisecke und Martin Prüße, BGHM