Stillstandzeiten in der Produktion

Risiko-Minimierung beim Einsatz von wassergemischten Kühlschmierstoffen

Kühlschmierstoff; © Dmitry Kalinovsky - 123rf.com

Die Corona-Pandemie hat in einigen Produktionsbereichen Stillstände verursacht – doch auch andere Anlässe wie Betriebsferien oder Instandhaltungen führen zu Stillständen von Maschinen oder Betriebsteilen. Sind davon metallbearbeitende Anlagen mit wassergemischten Kühlschmierstoffen betroffen, gilt es zu verhindern, dass der Kühlschmierstoff „umkippt“.

Einfaches Stillsetzen würde dazu führen, dass der wassergemischte Kühlschmierstoff (KSS) nicht mehr bewegt und daher nicht ausreichend belüftet wird und „umkippt“ („Montagmorgengeruch“). Eine mikrobielle Besiedlung durch Bakterien, Pilze oder Hefen ist in wässrigen Systemen zwar stets vorhanden, doch es kann dann unter solchen Bedingungen zu vermehrtem Wachstum dieser Mikroorganismen kommen.

Ein „umgekippter“ KSS verursacht vor allem technische Probleme und kann unter Umständen auch die Gesundheit der Beschäftigten beeinträchtigen. Sämtliche Betriebszustände, also auch Stillstandzeiten, müssen bei der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden. Folgende Maßnahmen können negative Folgen eines Stillstandes minimieren:

  • Sicherstellen, dass Tätigkeiten im Zusammenhang mit KSS ausschließlich von unterwiesenen Beschäftigten durchgeführt werden, auf Basis von Betriebsanweisungen für Gefahrstoffe (KSS, Systemreiniger, Biozid).
  • Bei Herstellern des KSS und/oder der Anlage oder Maschine nach speziellen Anforderungen erkundigen, die etwa beim Reinigen und Stillsetzen zu berücksichtigen sind; soweit erforderlich nur mit dem KSS-Hersteller abgestimmte Biozide verwenden.
  • Als Ansetz- und Nachsetzwasser nur Wasser mit Trinkwasserqualität benutzen, um die Anzahl von außen eingetragener Mikroorganismen („Keime“) niedrig zu halten; unbedingt verhindern, dass schon längere Zeit stehendes Wasser, beispielsweise aus Vorratsbehältern oder Schläuchen, in die Emulsion gelangt; alte Schläuche gegebenenfalls ersetzen; das Ansetzwasser auf seinen Nitrat-/Nitrit-Gehalt prüfen, falls kein Wasser aus der öffentlichen Wasserversorgung verwendet wird (zum Beispiel beim Einsatz von Brunnenwasser); Wasserversorger stellen in der Regel Analysen bereit.
  • Alle grundlegenden Maßnahmen für Ordnung, Sauberkeit und Hygiene in und an der Maschine durchführen, zum Beispiel Vermeidung von verschüttetem oder ausgelaufenem KSS (beispielsweise in Bodenwannen).
  • Geplante Systemreinigung unbedingt vor dem Stillstand durchführen, insbesondere bei Kreisläufen mit einem Füllvolumen von < 500 bis 1000 l; mit einem Systemreiniger Ablagerungen („Biofilm“) entfernen; hartnäckige Ablagerungen unter Umständen mechanisch entfernen; nach der Reinigung die Maschine vollständig entleeren, zum Beispiel durch Saugen und Auswischen, damit so wenig wie möglich „alte“ Flüssigkeit zurückbleibt, und wenn technisch möglich insbesondere Anlagen mit < 500 bis 1000 l trockenlegen (auf Korrosionsschutz achten!); nach Ende des Stillstands die Anlage mit frischer Emulsion befüllen.
  • Wenn der KSS in der Maschine/Anlage verbleiben soll: vor der Stillsetzung alle Prüfungen und Pflegemaßnahmen für den KSS durchführen, wie KSS-Konzentration, pH-Wert, Nitritgehalt; auf wahrnehmbare Veränderungen prüfen; die Konzentration einstellen, was in der Regel durch Einmischen von höher oder niedriger konzentrierter Emulsion erfolgt; gegebenenfalls noch eine Zugabe von Biozid oder weiteren Chemikalien, zum Beispiel zur Einstellung der Alkalität (pH-Wert) vornehmen; Systemreinigung bei starken Abweichungen. Wenn das aktuelle Füllvolumen des KSS-Kreislaufs unbekannt ist (zum Beispiel aufgrund von Verdunstungsverlusten oder Ablagerungen), insbesondere bei KSS-Kreisläufen < 500 bis1000 l, kein Biozid nachgeben wegen der Gefahr einer Fehldosierung; dann eher das System reinigen (sieheoben). Aufschwimmendes Fremdöl weitmöglichst entfernen (Skimmen, Absaugen), da es sich als Film auf die Oberfläche legt und so die Durchlüftung des KSS erschwert.
  • Während der Stillsetzung den KSS in der Anlage regelmäßig in Bewegung setzen und dadurch belüften. Dies geschieht idealerweise durch Umpumpen, da hierbei auch die Leitungen belüftet werden. Bei kleineren Anlagen kann dafür auch eine KSS-Belüftungspumpe ausreichen.
  • Nach der Stillsetzung den Zustand des KSS prüfen und die Sollwerte einstellen; bei KSS-Kreisläufen mit einem Füllvolumen von < 500 bis 1000 l kein Biozid nachgeben (Gefahr einer Fehldosierung); bei starken Abweichungen oder Auffälligkeiten (Aussehen, Geruch) Systemreinigung und KSS-Austausch oder Teilaustausch erwägen.
  • Beim Neuansatz des frischen KSS die Herstellerangaben und -informationen beachten.

Dr. Jens Manikowski, Thomas Rabente, Jutta Runné, Harald Sefrin, Dr. Isabel Warfolomeow, BGHM

Gut zu wissen: Corona-Gefahr in Stillstandzeiten

Humanpathogene Viren wie das Coronavirus können sich nicht im KSS vermehren. Von einer Übertragung durch mögliches Einatmen von KSS-Aerosolen ist also nicht auszugehen. Die Haupt-Infektionsgefahr besteht durch Aerosol-/Tröpfchenübertragung von Mensch zu Mensch. Außer den beschriebenen Maßnahmen, die auch Teil der „Handlungshilfe für Werkzeugmaschinen mit wassergemischten Kühlschmierstoffen in Stillstandsphasen“ sind, gelten für den Unternehmer und die Unternehmerin gegen das SARS-CoV-2 die im SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard des BMAS beschriebenen Maßnahmen. Diese wurden in der BGHM-„Handlungshilfe für Betriebe“ sowie weiteren Handlungshilfen konkretisiert. Sie finden die Handlungshilfen auf www.bghm.de/coronavirus/handlungshilfen.