DGUV Informationen bieten Gestaltungsempfehlungen

Schichtarbeit – (k)ein Problem?!

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Schichtarbeit bringt besondere gesundheitliche Belastungen mit sich und kann negative soziale Auswirkungen haben. Zwei DGUV Informationen bieten arbeitswissenschaftliche Gestaltungsempfehlungen, um negative Folgen von Schichtarbeit auf die Beschäftigten zu minimieren.

In den vergangenen Jahren hat eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten zugenommen. Viele Betriebe haben Arbeitszeitkonten oder Jahresarbeitszeitmodelle eingeführt. Ein weiterer Entwicklungstrend ist die Zunahme von Schicht- und Wochenendarbeit. Unter Schichtarbeit wird dabei die Arbeit zu wechselnden Tageszeiten (Früh-, Spät- und Nachtschicht) oder zu konstanter ungewöhnlicher Zeit (Dauernachtschicht) verstanden.

In Deutschland arbeiten laut dem „Arbeitszeitreport Deutschland 2016“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) circa 20 Prozent der Beschäftigten nicht in der üblichen Achtstunden-Arbeitszeit, sondern in Schichten. Die Zahl älterer Erwerbspersonen in Schicht- und Nachtarbeit und der Anteil von Frauen unter den Schichtarbeitenden haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Der klassische Normalarbeitstag mit Arbeitszeiten zwischen 7 und 17 Uhr betrifft immer weniger Menschen. Damit spielt das Thema Arbeitszeitgestaltung auch im Arbeitsschutz zunehmend eine Rolle.

Schichtarbeit – ihre möglichen Folgen

Die Forschung zeigt, dass Schichtarbeit häufig mit erhöhten gesundheitlichen Belastungen einhergeht und gravierende soziale Auswirkungen haben kann. Der Beschäftigte lebt in einer „normalen“ Umgebung, arbeitet und schläft jedoch meist zu unnatürlichen Tageszeiten. Der Organismus kann sich dieser Lebensweise nicht anpassen und reagiert möglicherweise mit gesundheitlichen Einschränkungen. Die Folge sind vor allem Schlafstörungen, Leistungsbeeinträchtigungen, häufig auch Magen-Darm-Probleme. Schichtarbeit kann auch familiäre Beziehungen belasten.

Beschäftigte können die Auswirkungen auf die Gesundheit durch ihr Verhalten (Verhaltensprävention) nur begrenzt beeinflussen: Individuellen Entlastungs-, Anpassungs- und Ausweichstrategien sind Grenzen gesetzt. Vor diesem Hintergrund hat die Gestaltung der Schichtarbeit (Verhältnisprävention) zum Schutz der Beschäftigten immer Vorrang. Um negative Auswirkungen der Schichtarbeit auf die Gesundheit zu minimieren, finden sich in zwei DGUV Informationen arbeitswissenschaftliche Gestaltungsempfehlungen:

DGUV Information 206-024: Schichtarbeit – (k)ein Problem?!

Wegen der zusätzlichen gesundheitlichen Risiken durch Schichtarbeit ist für die betroffenen Beschäftigten eine betriebsbezogene Prävention besonders wichtig. Die DGUV Information 206-024 ist eine Orientierungshilfe für die Prävention und enthält Anregungen für eine gesundheitsgerechte Arbeitszeitgestaltung, die auf arbeitsmedizinischen und arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen basieren. So sollte beispielsweise

  • ein Vorwärtswechsel der Schichten (Früh-, Spät, Nachtschicht) stattfinden,
  • der Schichtwechsel schnell erfolgen (maximal zwei bis drei Tage in einer Schicht),
  • die Zahl der aufeinanderfolgenden Nachtschichten möglichst klein sein (maximal drei, besser nur zwei) und
  • Dauernachtschicht vermieden werden.

Weitere Themenschwerpunkte der Broschüre sind unter anderem Unfallrisiken bei Schichtarbeit, die Gefährdungsbeurteilung, die Auswirkungen künstlicher Beleuchtung sowie Informationen über eine alter(n)sgerechte Schichtarbeit. Eine Checkliste und Empfehlungen aus der Arbeitswissenschaft helfen bei der Anwendung in der Praxis.

DGUV Information 206-027: Leben mit Schichtarbeit

Schichtarbeit hat durch die Lage und Dauer der Arbeitszeiten auch auf das Privatleben und das gesundheitliche Wohlbefinden der Beschäftigten erheblichen Einfluss. Umgekehrt beeinflussen zum Beispiel Schlaf- und Essgewohnheiten in der Freizeit das Wohlbefinden auch während der Arbeit. So sollten Schichtarbeitende nicht hungrig ins Bett gehen, aber auch keine üppigen Mahlzeiten kurz vor dem Schlafen einnehmen. Sowohl Hunger als auch ein überfüllter Magen können zu Ein- und Durchschlafstörungen führen. Diese haben nicht nur Auswirkungen auf das Wohlbefinden, sondern auch auf die Leistungsfähigkeit.

Die im Herbst 2019 erschienene DGUV Information 206-027 enthält zahlreiche Tipps, die sich nicht allein auf die Arbeitszeit beziehen, sondern auch die Freizeit betreffen. Entsprechend geht es in den Kapiteln unter anderem um Chronotypen, also um die sogenannten Frühaufsteher und Morgenmuffel. Es werden Verhaltensregeln und Tipps für guten Schlaf, aber auch für eine gesunde Ernährung oder eine effektive Stressbewältigung gegeben. Zusätzlich sind Hinweise zu Beratungs- und Hilfsangeboten zu finden. Die Broschüren sind das Ergebnis einer Projektarbeit des Sachgebietes „Beschäftigungsfähigkeit“ der DGUV im Fachbereich „Gesundheit im Betrieb“. Mitgliedsbetriebe können sie im BGHM-Online-Shop bestellen.

Susanne Neisecke und Gudrun Wagner, BGHM