Ein neues Leben im Rollstuhl

„So ein Unfall ändert alles“

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Nikolaus Schauer ist 49 Jahre alt, als er nach einem Wegeunfall mit dem Motorrad querschnittgelähmt im Krankenhaus erwacht – ein schweres Schicksal für ihn und seine Familie. Die finanzielle Unterstützung der BGHM hat vieles vereinfacht, wesentlich bedeutender ist jedoch der Wille Schauers, sein Leben trotz Behinderung erfolgreich zu meistern.

Das, was Nikolaus Schauer sein „neues Leben“ nennt, beginnt im Mai 2011 kurz nach Feierabend. Der damals 49-Jährige ist in der Entwicklung bei BMW Motorrad in München beschäftigt, selbst begeisterter Fahrer und macht sich auf den Heimweg. Mit dem Motorrad nach Hause zur Familie – doch dort kommt er nicht an. Auf einer Kreuzung nimmt ihm ein Autofahrer die Vorfahrt, auf der Abbiegespur stoßen die Fahrzeuge zusammen. Der Unfall hat schlimme Folgen: eine gebrochene Wirbelsäule, Rippenbrüche, zerschmettertes Handgelenk, schweres Schädel-Hirn-Trauma. Schauer kommt nach der Erstversorgung in München in die BG Klinik nach Murnau, lange liegt er dort auf der Intensivstation. Es dauert, bis er überhaupt realisiert, was passiert ist – dass er querschnittgelähmt ist, nicht mehr gehen kann, dass sein Leben sich komplett auf den Kopf stellen wird. Drei Monate nach dem Unfall beginnen die ersten Therapien. „Das war früh, aber gut so. Es musste ja was passieren, es musste ja vorangehen“, sagt er heute.

Behindertengerechtes Haus erforderlich

Schauer ist ein großer Mann mit kräftiger Stimme. Er sitzt am Esstisch des Wohnhauses in Spatzenhausen und erzählt – vom Bau des neuen Wohnhauses, dem Alltag im Rollstuhl und der großen Unterstützung, die er in seinem neuen Leben erfährt: von seiner Ehefrau und den beiden Kindern und auch von den Beschäftigten der BGHM. Wolfgang Sperr ist der zuständige Reha-Manager, er stand von Beginn an als Ansprechpartner an Schauers Seite und koordinierte die Unterstützungsleistungen der BGHM in direkter Absprache. „Dass die Familie Schauer nach dem Unfall nicht in ihren Räumlichkeiten bleiben konnte, war schnell klar, die bisherige Wohnung konnte nicht behindertengerecht gestaltet werden“, berichtet er. „Die BGHM hat den Neubau eines barrierefreien Einfamilienhauses mitfinanziert und auch eine geeignete Ferienwohnung zur Überbrückung der Zeit bis zum Umzug gestellt.“ Ein VW-Bus wurde mit Unterstützung der BGHM umgebaut, um genügend Platz für den Transport des Rollstuhls zu haben, auch die nötige Garage entstand.
„Natürlich ändert sich alles mit so einem Unfall. Um was man sich plötzlich kümmern muss, woran man denken muss, das wird einem erst so nach und nach klar“, sagt Schauer. Er präsentiert die vielen kleinen Details, die es ihm ermöglichen, sich mit dem Rollstuhl uneingeschränkt im Haus zu bewegen: die breiten Türen, das unterfahrbare Waschbecken im Badezimmer, die Fenstergriffe, die extra auf einer bestimmten Höhe angebracht sind, damit er sie vom Rollstuhl aus erreichen kann. Ein Plattformlift bringt ihn nach unten in den Keller, wo ein Stehtrainer es ihm ermöglicht, seiner Umgebung auf Augenhöhe, in voller Größe zu begegnen. Ruhig erläutert Schauer auch seine körperlichen Beeinträchtigungen, erklärt die Funktionsweise der Katheder und auf was er bei seiner Körperhygiene nun achten muss. Jeden Tag kommt zusätzlich der Pflegedienst und schaut, ob alles in Ordnung ist.

Erfolgreiche Wiedereingliederung

Im Dezember 2012 fährt Schauer zum ersten Mal seit seinem Unfall nach München, um seine Kollegen im Betrieb zu besuchen. Einen Monat später arbeitet er wieder mit ihnen zusammen. BMW Motorrad hat seinen Arbeitsplatz entsprechend gestaltet, eine Brandschutztür wurde angepasst, eine behindertengerechte Toilette war bereits vorhanden. „Dass die Wiedereingliederung für Herrn Schauer so erfolgreich verlaufen ist, war ein großer Gewinn und hat uns alle sehr gefreut“, sagt Sperr. Schauer arbeitet nach wie vor in der Entwicklung, einen Tag in der Woche ist er in München vor Ort, die restliche Zeit verbringt er im Home-Office.

Mit dem Handbike zur Gemeinderatssitzung

Bestmögliche Unterstützung, erfolgreiche Wiedereingliederung und Halt von der Familie: Schauer ist sehr dankbar für die Hilfe, die er erfährt. „Ohne die BGHM und die vielen Besuche von Herrn Sperr, das Personal der BGU Murnau und meine starke Ehefrau wäre meine Situation nicht so, wie sie heute ist“, sagt er. Trotzdem hat der schlimme Unfall ihn natürlich geprägt. „Wenn sich das bisherige Leben auf einen Schlag ändert, ist es ein lang andauernder schwieriger Prozess, sein Schicksal anzunehmen. Man kann nur versuchen, sich in kleinen Schritten so gut wie möglich darin einzurichten“, sagt Sperr später. Das ist auch Nikolaus Schauer wichtig: Er ist als Peer für die BGHM tätig, um anderen Betroffenen zu helfen und sie mit praktischen Informationen zu unterstützen. Auch in der Klink in Murnau ist er nach wie vor präsent: Er beteiligt sich am Rollstuhlsport, nutzt mit anderen Patienten den Fitnessraum und hält Vorträge, um seine Erfahrungen weiterzugeben. Es gibt aber auch Dinge, die sich seit dem Unfall nicht geändert haben: Als Gemeinderatsmitglied von Spatzenhausen bringt sich Schauer zum Beispiel nach wie vor für die Belange seines Heimatortes ein und fährt regelmäßig zu den Sitzungen – anstelle des Motorrads nimmt er jetzt ganz einfach das Handbike.

Adrienne Bilitza, BGHM

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Der Versicherte Nikolaus Schauer (links) im Gespräch mit Wolfgang Sperr: Der Reha-Manager hat sich um die Unterstützungsleistungen der BGHM gekümmert.

Kurz erklärt: Leistungen der BGHM

Wenn Beschäftigte einen Arbeits- oder Wegeunfall erleiden, unterstützt die BGHM sie mit allen geeigneten Mitteln, um nach der Rehabilitation die Wiedereingliederung in den Beruf zu ermöglichen. Neben Heilbehandlung, Renten, beruflicher Anpassung, Fortbildung, Ausbildung oder Umschulung erbringt die BGHM bei Bedarf daher beispielsweise folgende Leistungen, um den Versicherten eine bestmögliche selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen:

  • Pflegegeld und Leistungen zur Pflege
  • Hilfsmittel
  • Wohnungshilfe
  • Kraftfahrzeughilfe
  • berufliche Anpassung, Fortbildung, Ausbildung oder Umschulung