Aktualisierte DGUV Information

Tipps zum Arbeitsschutz bei Lackierarbeiten

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Lackieren, Beschichten und das dazugehörige Vor- und Nachbehandeln von Werkstücken bringen für Beschäftigte viele Gefährdungen mit sich. Beim Erkennen und Minimieren dieser Risiken kann die im Herbst 2019 aktualisierte DGUV Information 209-014 „Lackieren und Beschichten“ helfen.

Die Handlungsanleitung ist nach Arbeitsschritten gegliedert. Sie bildet so die komplette Prozesskette mit den jeweiligen Gefährdungen und den dazugehörigen Schutzmaßnahmen ab, von der Vorbehandlung über die verschiedenen Lackier- und Beschichtungsarten bis hin zum Abdunsten und Trocknen. Tipps gibt die DGUV Information auch zum Reinigen der Arbeitsgeräte, Lackierkabinen und -stände sowie zur Entsorgung etwa von Putzmaterial, flüssigen Lackresten und Filtermaterial. Weitere Themen sind unter anderem der Brand- und Explosionsschutz, die Lacklagerung, die Verwendung von Persönlichen Schutzausrüstungen und Beschäftigungsbeschränkungen.

Die Gefährdungen, die bei Lackier- und Beschichtungsarbeiten auftreten, können vier Kategorien zugeordnet werden:

  • Brand- und Explosionsgefährdungen
  • Mechanische Gefährdungen
  • Chemische Gefährdungen
  • Lärm

Die wichtigsten Prozessschritte, die umfangreiche Schutzmaßnahmen erfordern, sind die Vorbehandlung und das Beschichten selbst.

Gefährdungen bei der Vorbehandlung

Für eine optimale Oberflächenqualität müssen die Werkstücke auf das eigentliche Lackieren vorbereitet werden. Diese Vorbehandlung erfüllt zwei wesentliche Aufgaben: Sie dient dem Entfernen von Fremdteilen, etwa Staub und Schmutz, die ansonsten zu Einschlüssen im Lack führen und das Oberflächenbild beeinflussen könnten. Außerdem verhindert sie Ablösungen oder Blasenbildung im Lack, indem sie die Haftungsfestigkeit zwischen Werkstück und Beschichtungsstoff gewährleistet.

Die Art der Vorbehandlung ist abhängig vom Material, dem Verschmutzungsgrad und der Stückzahl der zu bearbeitenden Werkstücke. Überwiegend im Einsatz sind wasser- oder lösemittelbasierte Reinigungsflüssigkeiten oder Strahltechniken mit Kohlenstoffdioxid oder festem Strahlgut. Dabei treten unterschiedliche Gefährdungen auf, die mit entsprechenden Schutzmaßnahmen verhindert werden müssen.

Bei wässrigen Reinigern besteht beispielsweise hauptsächlich eine Gesundheitsgefährdung für Haut, Augen und Atemwege. Geeignete Schutzmaßnahmen sind zum Beispiel gute Belüftung am Arbeitsplatz und das Tragen von PSA. Bei lösemittelhaltigen Reinigern sind zusätzlich die Brand- und Explosionsgefährdungen zu beachten. Hierbei ist etwa auf eine Absaugung am Arbeitsplatz und die Erdung der zu reinigenden Bauteile zu achten. Auch Zündquellen sollten von den Reinigern ferngehalten werden, weil sich deren Lösungsmitteldämpfe entzünden könnten.

Gefährdungen durch Beschichtungsstoffe

Es gibt eine Vielzahl von Beschichtungsstoffen, die oft aus Dutzenden von Einzelstoffen bestehen. Diese müssen für die jeweilige Verarbeitungsart und das Werkstück abgestimmt sein. Brand- und Explosionsgefährdungen entstehen hauptsächlich durch die Lösemitteldämpfe. Deshalb ist es wichtig, auf die richtige Belüftung zu achten. Fast immer ist eine Vorrichtung für eine technische Absaugung nötig.

Brand- und Explosionsgefährdungen entstehen in einigen Fällen auch abhängig von der Art der Verarbeitung des Beschichtungsstoffes. Manche Lacke zum Beispiel sind im flüssigen Zustand nicht entzündbar, im fein verstäubten Zustand aber schon. Daher reicht es nicht aus, sich nur auf die Kennzeichnung auf dem Gebinde oder die Angaben im Sicherheitsdatenblatt zu verlassen. Der Grundsatz lautet: Bei fast allen Beschichtungsstoffen, auch bei sogenannten Wasserlacken, besteht eine Explosionsgefährdung.

Das Zerstäuben des Stoffes erhöht auch die Gefährdung für die Atemwege und die Haut. Eine chemische Gefährdung bei 2K-Produkten besteht insbesondere durch den Härter, der dem Stammlack beigemischt wird. Dieser enthält häufig Isocyanate, die beim Einatmen oder Hautkontakt reizend und sensibilisierend wirken können. Diese Gefährdung kann zum Beispiel durch eine Absaugung am Arbeitsplatz, Atemschutz und Schutzhandschuhe minimiert werden.

Henning Ziera

Komponente Beispiele
Organische Lösemittel Xylol, Testbenzin, Glykole, Glykolether
Bindemittel Alkydharze, Acrylatharze, Epoxidharze, Polyurethanharze
Pigmente Metalloxide, Ruß
Füllstoffe Silikate, Carbonate, Sulfate, Oxide
Härter bei 2-Komponentensystemen Polyisocyanate, (Poly-)Amine
Additive Konservierungsmittel, Antihautmittel

Tabelle: Beispiele für Komponenten in Industrielacken, DGUV Information 209-014