Innovationen für die Unfallprävention

Tüftler mit Sinn für Arbeitsschutz

© Martijn van Dijk

„Dem Ingenieur ist nichts zu schwör“: Was die als Erfinder bekannte Comic-Figur Daniel Düsentrieb einst als geflügeltes Wort prägte, könnte auch der Leitspruch von Felix Röwekämper sein. Der 22-jährige Industriemechaniker entwickelt Lösungen für mehr Sicherheit bei der Arbeit. Im Gespräch mit der BGHM-Aktuell erzählt er, wie mit einer Fräsmaschine alles angefangen hat und warum neue Ideen zwei Monate warten müssen.

BGHM-Aktuell: Herr Röwekämper, warum interessieren Sie sich gerade für das Thema Arbeitsschutz?

Felix Röwekämper: Mit meinen Erfindungen leiste ich einen Beitrag, um andere Menschen besser vor schweren Verletzungen oder gar einem tödlichen Arbeitsunfall zu schützen. Das hat für mich einen deutlichen Mehrwert gegenüber Produkten, die anderen „nur“ das Leben und die Arbeit erleichtern.

Gab es da eine Art Schlüsselmoment für Sie?

In meinem ersten Lehrjahr ist mir aufgefallen, dass sich viele meiner Azubi-Kollegen bei Rüstarbeiten an der Fräsmaschine geschnitten haben. Sie waren noch nicht so erfahren im Umgang mit dem Gerät. Deshalb habe ich eine Fräserschutzkappe entwickelt: Das ist eine Kunststoffkappe mit doppelseitig magnetischem Boden, die über die Fräswerkzeuge gestülpt wird und sich durch den Magnetismus selbst auf den Schneiden hält und diese somit abdeckt. Das hat die Verletzungsgefahr erheblich reduziert und war letztlich der Auslöser für alle meine weiteren Innovationen. Denn ich habe gesehen und erlebt, dass eine scheinbar kleine Idee wirklich etwas bewirken kann: Schnittverletzungen an der Fräsmaschine gab es danach – jedenfalls bei uns im Betrieb – nicht mehr.

Wie lange brauchen Sie im Schnitt von der ersten groben Idee bis zum Prototyp?

Das hängt vom Projekt ab. Aber ich würde sagen, im Durchschnitt vergehen von der Idee bis zu einem Prototyp, mit dem ich wirklich zufrieden bin, etwa eineinhalb bis zwei Jahre – schließlich mache ich das Ganze nebenberuflich. Am Anfang setze ich mir ein Hauptziel: Was soll die Entwicklung später mindestens können? Dann überlege ich mir weitere Kriterien, die sie im Optimalfall zusätzlich erfüllen soll. Erst dann beginne ich damit, Ideen zu sammeln und zu konstruieren. Erfüllt ein Prototyp mein Hauptziel und idealerweise auch einige der zusätzlichen Kriterien zufriedenstellend, wird er in der Praxis getestet.

Wenn Sie etwas grundsätzlich beim Thema Arbeitsschutz verbessern könnten: Was wäre das?

Ich beobachte immer mal wieder alltägliche Arbeitsschritte, die ich „akzeptierte Probleme“ nenne. Nach dem Motto „Das haben wir immer schon so gemacht“ wird manchmal nicht die Frage gestellt, ob sich nicht doch noch etwas verbessern lässt. Der Schraubstock, den ich entwickelt habe, ist ein Parade-beispiel dafür. Das Werkzeug gibt es schon seit Jahrhunderten in nahezu unveränderter Form und keiner macht sich mehr Gedanken dazu. Die Risiken, etwa dass der Schraubstock wegrutschen und umherschlagen kann, sind bekannt und akzeptiert. Die bisherigen Möglichkeiten, ihn auf der Ständerbohrmaschine zu sichern, waren kompliziert und zeitaufwendig und wurden deshalb oft nicht genutzt. Und genau für solche Probleme suche ich Lösungen. Es gibt tagtäglich noch viele Verletzungen in den Betrieben. Und nicht nur die gravierenden, meldepflichtigen Vorfälle: Auch jeder kleinere Arbeitsunfall ist meiner Meinung nach schon einer zu viel.

Haben Sie schon ein nächstes Projekt in Vorbereitung?

Es ist manchmal schwierig, die Zeit für die Umsetzung zu finden. Deshalb steht aktuell auch kein neues Projekt auf dem Plan. Das kann sich aber jederzeit ändern, denn Ideen habe ich immer. Die schreibe ich mir auf – und warte dann erst mal ab. Denn von neuen Ideen ist man schnell begeistert, merkt aber später, dass der Plan vielleicht doch Schwächen hat. Deshalb vergehen mindestens zwei Monate, bevor ich mit der Entwicklung beginne. Dann schaue ich noch mal grundsätzlich auf die Sache drauf. Wenn sie mich dann immer noch begeistert, lege ich los.

Das Interview führte Lisa Bergmann, BGHM

Hintergrund: Preisgekrönte Erfindungen

Felix Röwekämper lebt im nordrhein-westfälischen Ibbenbüren. Für seine Erfindungen ist er mehrfach ausgezeichnet worden: 2019 gewann er den Deutschen Arbeitsschutzpreis für einen an der Ständerbohrmaschineflexibel fixierbaren Schraubstock. Diese Idee hatte er mit einem BGHM-Mitgliedsbetrieb entwickelt. Auch bei „Jugend forscht“ war er mehrfach erfolgreich: Mit dem Schraubstock gewann er 2018 das Bundesfinale des Wettbewerbs. Ebenfalls 2018 gewann er das Landesfinale Nordrhein-Westfalen mit einem Gerät, das erkennt, wenn sich zum Beispiel Kleidung um rotierende Teile wickelt, und die Maschine abschaltet.