Arbeitssicherheit im Autohaus

Unfallschwerpunkte im Kfz-Betrieb

Porträt: zwei junge Männer; © Tyler Olson - 123rf.com

Derzeit sind laut Kraftfahrt-Bundesamt etwa 64,8 Millionen Kfz und Kfz-Anhänger in Deutschland angemeldet und auf den Straßen unterwegs. Damit diese unfallfrei betrieben werden können, müssen sie regelmäßig geprüft, gewartet und repariert werden.

Nicht abgestimmte Arbeitsabläufe und -bewegungen der Beschäftigten, Bedienungsfehler an Maschinen sowie deren unsicherer technischer Zustand oder eine mangelhafte Wartung sind häufig Ursache für Arbeitsunfälle. Um in Kfz-Werkstätten sicher zu arbeiten, müssen folgende Präventionsmaßnahmen gegen Unfallschwerpunkte beachtet werden.

Kraftfahrzeug-Hebebühnen

Unfälle an Kraftfahrzeug-Hebebühnen sind besonders gravierend. Eine Ursache dafür ist deren falsche Bedienung: Wenn ein Fahrzeug nicht korrekt auf die Hebebühne aufgenommen wird oder die zuständige Person beim Ablassen unachtsam ist, besteht unter anderem die Gefahr, dass das gesamte Fahrzeug abrutscht. Häufig wird beobachtet, dass Beschäftigte im angehobenen Fahrzeug sitzen und es über eine Stehleiter verlassen wollen. Beim Überstieg fällt die Leiter um und die betreffende Person stürzt zu Boden. Auch Mängel bei der Wartung und nicht durchgeführte Prüfungen der Hebebühnen sind eine häufige Ursache für Arbeitsunfälle. Versagen verschlissene oder beschädigte Sicherheitsbauteile, führt dies zum Absturz des angehobenen Fahrzeugs und zu Verletzungen von Personen im Nahbereich der Hebebühne.

Um solche Unfälle zu vermeiden, sind regelmäßige Unterweisungen der Beschäftigten über den sicheren Umgang mit Hebebühnen erforderlich. Außerdem müssen regelmäßige Prüfungen der Hebebühnen durchgeführt werden. Darüber hinaus ist es ratsam, die Beschäftigten im Arbeitsalltag dazu anzuhalten, bei erkennbaren Schäden sofort die Vorgesetzten oder die Unternehmensleitung zu informieren.

Stolpern, Stürzen oder Umknicken

Bei Reparaturen und Wartungsarbeiten in Kfz-Werkstätten können Flüssigkeiten auslaufen oder es kommt vor, dass Werkzeuge und ausgebaute Fahrzeugteile um das Fahrzeug herumliegen. Beschäftigte können über diese Hindernisse stolpern oder stürzen, rutschen auf feuchten Flächen aus oder knicken mit dem Fuß um. Die daraus resultierenden Zerrungen, Bänderdehnungen oder -risse verursachen meist längere Ausfall- oder Krankheitszeiten.

Sauberkeit und Ordnung in der Werkstatt sind daher oberstes Gebot, um Unfälle zu vermeiden. Verschüttete oder ausgelaufene Flüssigkeiten sollten umgehend beseitigt werden. Zur Lagerung von Fahrzeugteilen und Werkzeugen sollten Beschäftigte grundsätzlich mobile Wagen nutzen oder zumindest sichere Ablageplätze suchen. Der Arbeitsplatz oder die Verkehrs- und Fluchtwege sind dafür ungeeignet. Ebenso sind Abfälle, wie zum Beispiel Verpackungsmaterial, stets aus dem Arbeitsbereich der Kfz-Werkstatt zu entfernen.

Geeignete Werkzeuge und Schutzausrüstungen

Für die Reparatur oder Wartung von Fahrzeugen – insbesondere an schwer erreichbaren Stellen – sind meist Sonderwerkzeuge notwendig. Fehlen diese, verwenden Beschäftigte in der Regel ungeeignete Hilfsmittel, die das Unfallrisiko erhöhen. Verletzungen an Fingern und Händen, beispielsweise beim Lösen oder Festziehen von Schrauben an beengten Stellen der Fahrzeugbauteile, sind mögliche Folgen. Da alle in der Werkstatt beschäftigten Personen betroffen sein können, empfiehlt sich für die Unternehmensleitung die Anschaffung der vom jeweiligen Automobilhersteller empfohlenen Sonderwerkzeuge. Auch dafür ist eine entsprechende Unterweisung über die richtige Verwendung dieser Hilfsmittel notwendig.

Augenschutz

Ein weiterer Unfallschwerpunkt sind Augenschädigungen oder -verletzungen, die sich beim Arbeiten über Kopf ereignen können. Wenn zum Beispiel Reinigungssprays oder Rostlöser ohne Schutzbrille verwendet werden, gelangen herabfallender Schmutz, Staub, Metallspäne oder tropfende Flüssigkeiten ungehindert in die Augen. Werden entzündbare Reinigungsmittel wie Bremsenreiniger benutzt, muss der Arbeitsplatz gut belüftet und der Einsatz des Reinigers auf ein notwendiges Maß reduziert sein. Eine Schutzbrille verhindert Augenschäden.

Grundlegend sollten Beschäftigte eine Persönliche Schutzausrüstung – Schutzbrille, Gehörschutz, Atemschutzmaske etc. – besitzen und benutzen. Für die zugehörige Unterweisung ist ebenfalls die Unternehmensleitung verantwortlich.

Stäube, Brand- und Explosionsgefahren

Der sichere Umgang mit Lacken und Lösemitteln ist für die Arbeitssicherheit im Kfz-Betrieb mit Lackiertätigkeiten von großer Bedeutung. Oftmals unterschätzen Beschäftigte die gefahrbringenden Eigenschaften dieser Substanzen oder nehmen potenzielle Gefahren nicht wahr. Schnell können durch nicht bestimmungsgemäße Verwendung, fehlende Belüftung oder nicht wirksame Absauganlagen Brände oder Explosionen entstehen. Auch lösen Rauchen, Funkenflug, elektrostatische Entladung oder offenes Feuer in der Nähe von offenstehenden entzündbaren Stoffen diese Brände oder Explosionen aus. Im Falle von Schleifstäuben werden außerdem die Atemwege in Mitleidenschaft gezogen, wenn diese nicht wirksam abgesaugt werden und die Beschäftigten keine geeigneten Staubschutzmasken tragen.

Ein Sonderfall sind Kraftstoffe: Sie sind nicht nur gesundheitsschädlich, unter Umständen krebserregend, sondern auch extrem entzündbar. Kommen Zündquellen dazu, entstehen durch sie verheerende Brände oder Explosionen. Abgepumpte Kraftstoffe dürfen zudem keinesfalls als „billiger Ersatz“ für Reinigungsmittel verwendet werden.

Ernst Rötzer, BGHM

Weitere Informationen

Fachinformationen Fahrzeuginstandhaltung auf bghm.de