Sicher arbeiten in der Pandemie

Vom Plan zum betrieblichen Alltag

Schreiner mit Mundschutz; © parilovv/123RF.com

Innerhalb weniger Wochen schaltete Deutschland Anfang März 2020 von „normal“ in den „Krisen-Modus“. Für das Wirtschaftsleben und insbesondere für die Unternehmen brachte das umfangreiche Veränderungen des Arbeitsalltags mit sich. Mit praxisnahen Handlungshilfen und vielen weiteren Informationen von der BGHM konnten sich viele Mitgliedsunternehmen schnell auf die neue Situation einstellen.

Mithilfe von Hygienekonzepten konnten die Unternehmen nicht nur über weite Strecken den Betrieb aufrechterhalten, sondern vor allem das Risiko einer Infektion ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutlich senken. An dieser Stelle berichten fünf Personen aus BGHM-Mitgliedsunternehmen, wie aus Pandemieplänen betrieblicher Alltag wurde – und was es braucht, damit die Veränderungen von allen mitgetragen werden.

Alexander Glöckler, Juniorchef, CNC-Fertigung Glöckler KG, Trossingen

„Wir sind ein mittelständischer Betrieb mit zehn Beschäftigten. Gleich zu Beginn der Pandemie haben wir uns in zwei Teams aufgeteilt. So konnten wir anfangs sogar an unterschiedlichen Tagen arbeiten, später dann in versetzten Schichten. Nicht jedem hat diese Arbeitszeitumstellung gefallen. Wir haben deshalb die Aufteilung der Teams und die jeweils geltenden Arbeitszeiten mit allen gemeinsam festgelegt. Das hat die Akzeptanz deutlich erhöht. Die Beteiligung der Beschäftigten ist wichtig, denn sie fördert den Rückhalt für die erforderlichen Maßnahmen.

Auch darüber hinaus haben wir in der Produktion einiges umgestellt. Unter anderem haben wir in Räumen mit mehreren Beschäftigten CO2-Ampeln aufgestellt und Plexiglasscheiben zwischen den Arbeitsplätzen eingebaut. In unserem Leitungsgremium finden wir auch immer wieder Lösungen für Probleme, die die Pandemie so mit sich bringt. Das Wichtigste ist, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mit- arbeiter gesund sind und bleiben und dass es dem Unternehmen weiterhin gut geht. Daran arbeiten wir alle gemeinsam.“

Heinrich Rüther, Leitender Sicherheitsingenieur, ­Oventrop GmbH, Olsberg

„Hygiene, Hygiene und noch mal Hygiene – Abstand, Masken tragen und ein klares Lüftungskonzept überall dort, wo mobiles Arbeiten nicht möglich ist: Darauf setzen wir seit Beginn der Pandemie mit unseren ,Oventrop-Regeln‘. Unser Hygienekonzept haben wir zunächst von unserer BGHM-Aufsichtsperson prüfen lassen. Wir wollten damit sichergehen, dass wir nichts übersehen haben, denn diese spezielle Situation war für uns alle neu. Natürlich passen wir das Konzept ständig an. Was jeweils gilt, wird innerhalb unseres Krisenmanagements auf Basis der aktuell gültigen Verordnungen und Empfehlungen erarbeitet. Aber auch darüber hinaus haben wir Maßnahmen entwickelt, die wir für uns, als Unternehmen Oventrop, als notwendig erachten.

Dies alles geschieht im direkten Austausch mit unseren Geschäftsführern und ermöglicht somit eine sehr schnelle Umsetzung der Maßnahmen. In unserem ,Corona-Team‘ sind alle wichtigen Bereiche des Unternehmens vertreten. Gemeinsam erarbeiten wir in diesem Kreis klare und transparente Maßnahmen und Prozesse für alle unsere Beschäftigten. Dabei steht der Schutz der Gesundheit unserer Mitarbeiter an erster Stelle. So haben wir beispielsweise in enger Kooperation mit der Caritas im nahegelegenen Brilon schon früh Corona-Schnelltests anbieten können – natürlich kostenfrei für unsere Beschäftigten.

Die Maßnahmen verlangen uns viel ab – aber grundsätzlich ist die Akzeptanz dafür sehr groß. Damit das so bleibt, setzen wir auf regelmäßige Information. Unser ,Corona-Hy­gienekonzept‘ liegt zum Beispiel überall zum Nachlesen aus und für unsere Führungskräfte stehen die jeweils aktuellen Handlungshilfen der BGHM auf unserem Firmenserver bereit. Von dort aus können die jeweiligen Verantwortlichen die neuesten Informationen und Regelungen abrufen und sie in ihrem Verantwortungsbereich kommunizieren und umsetzen.“

Martin Bauer, Betriebsratsmitglied im Ausschuss für Arbeits- und Gesundheitsschutz, Hydac Filtersystems GmbH, Sulzbach

„Die Hydac Filtersystems GmbH hat frühzeitig auf die ­Pandemiesituation reagiert, um sichere Verhältnisse am Arbeitsplatz zu schaffen. Dazu gehörten technische und organisatorische Maßnahmen wie Schutzscheiben, Händedesinfektionsstationen, versetzte Schichten sowie Notfallpläne bei Verdachtsfällen – und wenn es die Tätigkeit zuließ Homeoffice. In unserem Corona-Kreis – bestehend aus Geschäftsführung, Betriebsrat, Sicherheitsfachkräften und Abteilungsleitungen – haben wir uns regel­mäßig getroffen, um die aktuelle Lage zu besprechen. Als Betriebsrat war ich eine der Schnittstellen zwischen ­Geschäftsführung und Beschäftigten, um auf das TOP-Prinzip hinzuwirken, die Maßnahmen zu vermitteln und Rückfragen aus der Belegschaft zu beantworten.“

Silke Rabe, Geschäftsführerin, Rabe Innenausbau, Münchhausen

„Eine Betriebsschließung wollten wir unbedingt vermeiden. Außerdem hatten wir natürlich das Ziel, unsere 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor einer Infektion bestmöglich zu schützen. Deswegen haben wir schon früh gehandelt. Unsere erste Maßnahme im März 2020 war, ein Hygiene- und Desinfektionskonzept für unser gesamtes Team zu erstellen. So wollten wir den größtmöglichen Corona-Schutz nachhaltig einführen. Danach haben wir das Maßnahmenpaket zügig erweitert. Wir haben zum Beispiel die Kundenkontakte so weit wie möglich reduziert, häufiger Video­telefonie genutzt und Plakate aufgehängt, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Hygienemaßnahmen hinweisen.

In Mitarbeitergesprächen haben wir um Verständnis für unsere Maßnahmen gebeten. Wir haben bisher sehr viel Akzeptanz für die neuen Regeln erfahren. Zu Beginn der Pandemie bestand das Problem eher darin, dass das Virus so unberechenbar schien, da man noch nicht viel darüber wusste. Da kamen viele Fragen bei den Beschäftigten auf, die wir auch nicht beantworten konnten. Uns war es daher wichtig, Wissen aus seriösen Quellen weiterzugeben und damit die Unsicherheit bei den Beschäftigten abzubauen. Dazu nutzen wir beispielsweise das Infopaket der BGHM, wie den Corona-Newsroom und die FAQ, sowie die Informationen des Robert Koch-Instituts und unseres Gesundheitsamtes vor Ort.“

Jana Thiel, Director Quality Management Local, ­Environment, Health and Safety Management Global, DAS Environmental Expert GmbH, Dresden

„Als Produzent für Prozessabgastechnologien in der Hightech-Fertigung entwickeln und produzieren wir kundenspezifische Abgasentsorgungslösungen sowie Konzepte zur Abwasserbehandlung für Industriekunden weltweit. Dazu gehören normalerweise auch die Montage und Inbetriebnahme vor Ort. Das hat uns schon zu Beginn der Pandemie vor Herausforderungen gestellt, denn Reisen war teilweise nicht, später nur eingeschränkt oder unter Auflagen möglich.

Die Lösung: eine Remote-Inbetriebnahme mithilfe von VR-Brillen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leiten von Deutschland aus an und haben dank der VR-Brille einen detaillierten Blick auf die Anlage. Partner vor Ort übernehmen die Ausführung. Schon im April 2020 konnten wir so bei einem Kunden in Übersee erste Anlagen erfolgreich installieren. Diesen kundenorientierten Blick haben wir ab März 2020 in alle unsere Pandemie-Schutzmaßnahmen — zum Beispiel die Erweiterung des mobilen Arbeitens und die Aufteilung der Belegschaften in Teams weltweit — einfließen lassen.

Eine unternehmensweite Maskenpflicht führten wir bereits im Oktober 2020 ein. Dabei war uns wichtig, stets gleiche Schutzvorkehrungen für Fertigung und Verwaltung zu haben. Die Solidarität der Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, selbstverständlich auch immer eine Maske zu tragen, obwohl Abstand in deren Büros in der Regel möglich ist, hat uns sehr gefreut. Für die Kolleginnen und Kollegen der Fertigung haben wir Meetingräume zu zusätzlichen Pausenräumen umfunktioniert, damit sie sich während der Pausen besser verteilen können.“

Die Aufsichtspersonen der BGHM stehen Ihnen zur Seite

Sie sind zentrale Ansprechpartnerinnen und -partner, wenn es um Fragen oder Auskünfte zum sicheren und gesunden Arbeiten geht: die Aufsichtspersonen der BGHM. Sie beraten Betriebe in allen Fragen der betrieblichen Prävention und des Arbeitsschutzes. So unterstützen sie die Mitgliedsunternehmen dabei, die gesetzlichen Anforderungen im Arbeitsschutz zu erfüllen, notwendige Präventionsmaßnahmen zu entwickeln und so für ein sicheres Arbeitsumfeld aller Beschäftigten zu sorgen. Das gilt in Zeiten der Pandemie insbesondere auch für den betrieblichen Infektionsschutz. Unternehmerinnen und Unternehmer können dazu jederzeit Kontakt mit ihrer Aufsichtsperson aufnehmen – auch dann, wenn sie beispielsweise ihr Hygienekonzept prüfen lassen möchten.