Absturzsicherung

Voraussetzungen für praktische Unterweisungen

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Vor dem Einsatz von Persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) müssen Beschäftigte speziell unterwiesen werden. Doch schon bei den dazu erforderlichen Übungen sind Gefährdungen zu beachten. Das stellt besondere Anforderungen an Ausbilderinnen und Ausbilder und die Gestaltung der praktischen Einheiten.

Für Beschäftigte, die in absturzgefährdeten Bereichen tätig werden, ist der Einsatz von PSAgA eine mögliche Schutzmaßnahme, falls technische Lösungen nicht umsetzbar sind. Die richtige Benutzung dieser PSA ist daher neben der passenden Auswahl eine wesentliche Voraussetzung für sicheres Arbeiten. Die Beschäftigten müssen vor der ersten Benutzung sowie nach Bedarf regelmäßig unterwiesen werden. Die DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ fordert im Paragrafen 31 darüber hinaus Unterweisungen mit Übungen für Persönliche Schutzausrüstungen, die gegen tödliche Gefahren oder bleibende Gesundheitsschäden schützen sollen. Ziel der Übungen ist neben einer sicheren Benutzung auch das richtige Verhalten in kritischen Situationen.

Anforderungen an Ausbilderinnen und Ausbilder

Praktische Übungen mit PSAgA sind mit Gefährdungen verbunden, die weit über das übliche Maß anderer Übungen hinausgehen. Deshalb müssen Personen, die derartige Übungen begleiten, entsprechend DGUV Grundsatz 312-001 über besondere Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen. Die Durchführung kann dabei entweder durch qualifizierte Beschäftigte des eigenen Unternehmens oder durch externe Ausbilderinnen und Ausbilder, zum Beispiel von Herstellerfirmen der PSA, erfolgen. Mit der Unterweisung zur Benutzung von PSAgA dürfen nur Personen beauftragt werden,

  • die das 18. Lebensjahr vollendet haben,
  • über theoretische Kenntnisse und praktische Fähigkeiten verfügen,
  • geistig und charakterlich geeignet sind,
  • körperlich geeignet sind,
  • als Ersthelferinnen beziehungsweise Ersthelfer ausgebildet sind.

Bei der geistigen und charakterlichen Eignung wird vorausgesetzt, dass die Ausbildenden Gefährdungen und die Leistungsfähigkeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer richtig einschätzen können sowie verantwortungsbewusst und durchsetzungsstark sind. Körperlich geeignet bedeutet, dass sie sämtliche Übungen selbst ausführen können und Gefahren akustisch und visuell wahrnehmen. Alle Ausbildenden müssen über umfangreiche theoretische Kenntnisse des zugehörigen Vorschriften- und Regelwerks, der Einzelkomponenten, des Aufbaus der verschiedenen Absturzschutzsysteme, zu Rettungsmethoden und zum Erkennen von typischen Schäden an der PSAgA verfügen.

Praktisch wird vorausgesetzt, dass sie sie passend auswählen und anwenden können, eine geeignete zweite Sicherung installieren sowie Fehlhandlungen erkennen und in Notsituationen schnell und umsichtig helfen können. Außerdem müssen Ausbildende in der Lage sein, Rettungs- und Erste-Hilfe-Maßnahmen anzuwenden. Die praktischen Fähigkeiten und Erfahrungen haben Ausbildende durch eine zeitnahe, regelmäßige Benutzung der PSAgA an mindestens 15 Tagen im Jahr nachzuweisen.

Rahmenbedingungen für praktische Übungen

Die Unterweisungen sind arbeitsplatzbezogen oder unter vergleichbaren Bedingungen durchzuführen. Ideal ist eine Übung am Einsatzort. Ist das nicht möglich, sollte auf Unterschiede und damit verbundene Gefährdungen hingewiesen werden. Geht auch das nicht, etwa weil der spätere Einsatzort noch nicht bekannt ist, muss vor Aufnahme der Tätigkeit am späteren Einsatzort eine spezielle Einweisung stattfinden. Für die Übungen ist eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen, die auch ein Rettungskonzept beinhaltet.

Bei Übungen mit Absturzgefahr sind unabhängige zweite Sicherungen zu benutzen. Selbstverständlich muss an genau den Systemen und Komponenten aus-gebildet werden, die später auch zur Anwendung kommen. Erfahrungswerte zeigen, dass bei Anwesenheit eines Ausbildenden drei Personen gleichzeitig aktiv üben können. Abhängig von der verwendeten PSAgA, den durchzuführenden Übungen und der Anzahl der Teilnehmenden sind mindestens zwei Stunden einzuplanen.

Im BGHM-Seminar BMHA20 „PSA gegen Absturz“ werden umfangreiche theoretische und praktische Inhalte vermittelt, die als Grundlage für eine Unterweisung dienen können. In Abhängigkeit von der verwendeten PSAgA und den betrieblichen Rahmenbedingungen ist danach im Unternehmen zu prüfen, ob die Teilnehmerinnen und Teilnehmer derartige Unterweisungen durchführen können.

Unterstützung bei der Konzeption und der Durchführung der Unterweisungen mit Übungen bietet der DGUV Grundsatz 312-001 „Anforderungen an Ausbildende und Ausbildungsstätten zur Durchführung von Unterweisungen mit praktischen Übungen bei Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz und Rettungsausrüstungen“.

Weitere Informationen

DGUV Grundsatz 312-001 auf dguv.de

Gut zu wissen: Unterweisung zu PSAgA während der Corona-Krise

Durch die während der Coronavirus-Pandemie bestehenden Einschränkungen können Unterweisungen zur Anwendung von PSAgA nicht immer wie gefordert eingehalten werden (Stand zum Drucktermin dieser Ausgabe Mitte Mai 2020). Der theoretische Teil kann bedingt, mittels E-Learning oder Videokonferenzen erfolgen. Bei einigen praktischen Übungen ist es jedoch nicht möglich, den derzeit geforderten Mindestabstand zwischen Personen zu gewährleisten. Unter bestimmten Bedingungen können daher Teile der praktischen Unterweisungen verschoben werden. Müssen Arbeiten mit PSAgA durchgeführt werden, ist zuvor die Gefährdungsbeurteilung anzupassen. Das Sachgebiet „PSA gegen Absturz und Rettungsausrüstungen“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung hat eine Stellungnahme mit Empfehlungen veröffentlicht, um trotz der Einschränkungen die sichere Benutzung von PSAgA zu ermöglichen.

Stellungnahme und Empfehlungen: