Neue DIN EN ISO 19353 Maschinen

Vorbeugender und abwehrender Brandschutz

Brennende Maschine; © BGHM

Seit Juni 2019 ist die dritte Ausgabe der DIN EN ISO 19353 als deutsche Fassung erhältlich. In der vorliegenden Version zur Sicherheit von Maschinen wird insbesondere vorbeugender und abwehrender Brandschutz behandelt. Ein neuer Anhang B mit Musterbeispielen zur Auswahl und Zusammenstellung einer Brandmelde- und Löschanlage für Maschinen und Anlagen wurde hinzugefügt.

Die DIN EN ISO 19353 stellt für Hersteller und Anwender von Maschinen einen Leitfaden zum Thema Brandschutz dar und wird als wichtige Unterstützung für die Durchführung der Risikobeurteilung in Bezug auf den Brandschutz angesehen. In der Norm werden grundlegende Anforderungen und Methoden technischer Brandschutzmaßnahmen für Maschinen entsprechend ihrer künftigen bestimmungsgemäßen Verwendung festgelegt.

Zum besseren Verständnis der Anforderungen findet sich im informativen Anhang ein Praxisbeispiel, in dem die im normativen Teil geforderten Maßnahmen zur Verminderung des Brandrisikos anschaulich erläutert werden. In diesem Beispiel wird ein Bearbeitungszentrum mit Einhausung für die spanende Bearbeitung von metallischen Werkstoffen unter Einsatz von nichtwassermischbaren, brennbaren Kühlschmierstoffen beschrieben.

Schritt für Schritt werden zahlreiche Maßnahmen zur Umsetzung der Brandschutzanforderung erläutert. Dazu gehören die Auswahl emissionsarmer Kühlschmierstoffe und Löschmittel sowie die Beschreibung von flammendurchschlagsicheren Türlabyrinthen und Löschöffnungen. Auch die Kombination aus Prallblech und Flammensperre zur Vermeidung des Eintritts von Flammen in die Rohrleitungen der zentralen Absauganlage finden Platz im Anhang. Generell wurde großer Wert auf die Einarbeitung aktueller Erkenntnisse aus Forschungsprojekten zum Brandschutz gelegt.

Neuer Anhang B: Was kann brennen?

Unter der Überschrift „Was kann brennen?“ bietet der neue Anhang B eine praktische Verfahrensanleitung zur Auswahl und Einstufung einer geeigneten Brandmelde- und Löschanlage und kann als Entscheidungshilfe für die Konzipierung der Brandschutzanlage herangezogen werden. Die Konzipierung kann im Dialog zwischen Betreiber, Hersteller von Werkzeugmaschinen und Hersteller von Lösch- und Absauganlagen erfolgen. Somit können alle relevanten Fragen gemeinsam zwischen Betreiber und Herstellern geklärt und die passenden Komponenten ausgewählt werden.

Für die Verarbeitung von brennbaren festen, flüssigen oder gasförmigen Stoffen und die jeweiligen Brandschutzmaßnahmen wurden Musterbeispiele erarbeitet. So wurde für feste Stoffe eine Mühle / Mahlanlage zur Herstellung von Holzpellets gewählt, während für den Einsatz von flüssigen brennbaren Stoffen eine Drehmaschine zur Herstellung von Schrauben beschrieben wird. Für die Verarbeitung von gasförmigen / flüssigen Materialien wurde ein Beispiel einer Lackieranlage zum Lackieren von Bauteilen oder Komponenten ausgesucht. Die ausgewählten Brandschutzmaßnahmen sind tabellarisch dargestellt, damit sie untereinander verglichen werden können.

Systembild Brandmeldesysteme; © BGHM

Systembild zur Auswahl und Einstufung der geeigneten Brandmelde- und Löschsysteme

Die Auswahl und Einstufung der geeigneten Brandmelde- und Löschsysteme erfolgen mithilfe eines Systembildes (siehe oben) ausgehend vom Grundverständnis des Brandereignisses bis hin zur Auswahl der Brandmelde- oder Löschmethode. Die ausgewählten Komponenten werden im Rahmen einer Systemintegration zusammengefügt und maßgeschneidert auf den Prozess abgebildet.

Für das Grundverständnis für das Brandereignis wurden Fragen ausgewählt, welche als Leitfragen dienen: Was kann brennen? Welche Zündquellen können Brandursache sein? Auch Fragen wie etwa zum Brandverhalten, zur Brandausbreitung oder zu weiteren Ursachen für eine Entzündung sollen Klarheit bringen. Weitere Leitfragen sind: Was entsteht bei der Entzündung (Brandgase, sonstige Gefahrstoffe)? Welche Detektion der entstehenden Stoffe ist möglich? Welche Störquellen sind bei dem Prozess zu erwarten?

Sobald alle Komponenten in einem System integriert sind, können abschließend notwendige Prozesse anhand von Leitfragen hinsichtlich der Betriebsbereitschaft sowie hinsichtlich der Auswirkungen bei Energieausfall einem wirkungsvollen Test unterzogen werden. (Was passiert beim Abschaltvorgang der Anlage? Was passiert beim Auslösen des Löschvorganges? Welche Schutzmaßnahmen müssen bei Wartung und Instandhaltung getroffen werden? Welche Alarmsignale sind einzusetzen?) Dieses Vorgehen dient zur Kontrolle und zur Bestätigung, dass das System maßgeschneidert auf den vorliegenden Prozess im Brandfall reagieren kann.

Harald Sefrin, BGHM

Gut zu wissen: Neuer Film

Wie notwendig ein geeigneter Brandschutz ist, zeigt auch der Film „Brand- und Explosionsschutz an Werkzeugmaschinen“. Darin werden die Gefahren von Bränden an Werkzeugmaschinen und die möglichen Schutzmaßnahmen zu deren Abwehr gezeigt. Diesen und andere Filme finden Sie im BGHM-Filmportal.