Schwerpunktthema Dezember 2019

Vorbildliche Führung - einfach sicher!

viele graue und ein bunter Regenschirm; © Leszek Glasner/123RF.com

Für eine funktionierende Präventionskultur ist es entscheidend, wie ein Unternehmen geführt wird. Die Kampagne kommmitmensch zur Kultur der Prävention lädt Unternehmensleitung und Führungskräfte ein, ihre Vorbildfunktion zu nutzen, um sicheres und gesundes Arbeiten zur Selbstverständlichkeit werden zu lassen.

Ziel der Kampagne ist es, eine Kultur der Prävention systematisch und dauerhaft zu etablieren. Dabei stehen sowohl individuelle Verhaltensweisen der Menschen als auch die Verhältnisse im Betrieb im Mittelpunkt. Um das Ziel zu erreichen, müssen alle Beteiligten im Unternehmen dazu beitragen, Sicherheit und Gesundheit im täglichen Denken und Handeln zu verankern.

Zielgerichtet soll so die „Vision Zero“ umgesetzt werden: keine arbeitsbedingten Unfälle und Verletzungen mehr erleben zu müssen und den Erfolg des Unternehmens langfristig sichern zu können. Die Ausprägung der Präventionskultur im Unternehmen lässt sich anhand von sechs miteinander verknüpften Handlungsfeldern beurteilen: Führung, Kommunikation, Beteiligung, Fehlerkultur, Betriebsklima, Sicherheit und Gesundheit. Der Führung kommt in Unternehmen dabei eine besondere Bedeutung zu.

In der Praxis haben Unternehmensleitung und Führungskräfte manchmal den Eindruck, sie befänden sich in einem Spannungsfeld zwischen den Interessen der Beschäftigten und dem Unternehmenserfolg. Dieses kann und muss aufgelöst werden, denn was Vorgesetzte im Alltag vorleben, ist für den gesamten Betrieb wegweisend und beispielgebend. Sicher und gesund führen – wie kann das gelingen?

  • Zunächst ist es wichtig, den Rahmen abzustecken, dazu gehören: Klarwerden, Verinnerlichen und Dokumentieren: Die Werte Sicherheit und Gesundheit werden unter Einbeziehung der Beschäftigten herausgearbeitet. Sie sollten schriftlich, in einer Gemeinsamen Erklärung, einem Leitbild, Wertekodex oder in den Führungsleitlinien der Organisation verankert und weiterentwickelt werden. So werden Leitgedanken lebendig und sichtbar.
  • Ziele setzen: Sichere Arbeitsgestaltung und das Verantwortungsbewusstsein, sich selbst und andere gesund zu erhalten, sind obligatorische Unternehmensziele.
  • Geeignete Führungspersonen auswählen: Neue Führungskräfte müssen neben fachlichen Kompetenzen auch über Fähigkeiten und Fertigkeiten zur sicherheits-/gesundheitsförderlichen Lebensweise und Führung verfügen. Diesbezügliche Schulungen und Weiterentwicklungen sind selbstverständlich.
  • Führungskräfte betrieblich unterstützen: Die Bedürfnisse der Beschäftigten nach Sicherheit und Gesundheit zu berücksichtigen, ist fester Bestandteil von Leitungstätigkeiten. Führungskräfte sind gestaltende Leitfiguren, nicht verwaltende Vorgesetzte. Dafür benötigen sie Raum und Zeit.
  • Stabsmäßig oder extern beraten und unterstützen lassen: Angebote zu Qualifizierung, Coaching oder Feedback unterstützen. Ob die Angebote qualitätsgesichert und seriös sind, kann beispielsweise anhand der DGUV-Broschüre „Qualitätskriterien im Präventionsfeld Gesundheit im Betrieb“ einfach geprüft werden.
Ausbilder und Auszubildende in einer Holzwerkstatt; © Konstantin Pelikh/123RF.com

Was können Unternehmensverantwortliche konkret tun?

Nachdem der Rahmen abgesteckt wurde, muss Vertrauen geschaffen werden. Loyalität und Vertrauen der Beschäftigten wachsen, wenn Unternehmensverantwortliche sicherheits- und gesundheitsorientiert handeln. Kriterien, um Vertrauen zu schaffen, sind:

Fairness, Anerkennung und Wertschätzung: Das Bemühen, Beschäftigte fair und chancengleich zu behandeln, ein ehrliches Interesse an ihnen zu haben und aufmerksam zuzuhören, ist eine gute Basis. Dabei hilft es festzulegen, wann und wie Führungskräfte erreichbar sind. Das kanalisiert die betrieblichen Abläufe und Aktivitäten.

Sinnstiftung: Arbeitsaufträge müssen vollständig und mit allen notwendigen Informationen erteilt werden. Bei gemeinsamen Aufgaben für mehrere Beschäftigte muss der einzelne Beitrag jedes Mitwirkenden darin sichtbar sein. Jeder sollte Verantwortung tragen und seine eigenen Handlungs- und Entscheidungsspielräume erhalten.

Verantwortung übernehmen: Unternehmensverantwortung bedeutet, kritische Gefährdungs- und Belastungssituationen vorausschauend zu ermitteln, Maßnahmen abzuleiten und auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen (Erstellen und Umsetzen der Gefährdungsbeurteilung). Das ist proaktive Störungsvermeidung. Sicherheits- und gesundheitsgerechte Führung beinhaltet auch, Beschäftigte gezielt zu fördern und auf Karriere- oder Weiterbildungsmöglichkeiten hinzuweisen. Dazu muss „Führung“ deren Fähigkeiten und Fertigkeiten kennen.

Informationen weitergeben: Informationen und Wissen müssen dem Empfänger dienen und dürfen nicht ungefiltert und überflutend sein. Wissen darf kein Machtmittel sein. Informationen müssen gezielt und schnell weitergeleitet werden. Dabei ist Sicherheit und Gesundheit regelmäßig in kleinen Blöcken in den betrieblichen Alltag einzubauen, dies ist zum Beispiel in gut vorbereiteten Besprechungen oder bei der Übertragung von Aufgaben besonders effektiv.

Potenzial des Teams nutzen: Da Beschäftigte ihre Arbeitsplätze am besten kennen, sind ihre Meinungen zur Sicherheitssituation ernst zu nehmen. Auch das ist Ausdruck der Wertschätzung und erhöht die Eigenverantwortung und das Mitdenken der Beschäftigten. Nicht zuletzt entstehen Innovationen häufig aus Beteiligung, dem konstruktiven Umgang mit Fehlern und aktiver Kommunikation.

Feedback geben: Selbst wenn Führende ihr Team selten persönlich sehen, sollte mindestens einmal im Monat ein konkretes Feedback gegeben werden. Ehrlich und konstruktiv und im Verhältnis 3:1 bei positiver / negativer Rückmeldung kann dies der gegenseitigen Weiterentwicklung dienen und fördert das gewünschte Verhalten.

Vorbild sein und auf sich selbst achten

Bevor von anderen eine sichere und gesunde Arbeit verlangt wird, macht es Sinn, zunächst das eigene Verhalten als Führungskraft zu reflektieren. Verhalte ich mich sicherheitsgerecht und gesund, wie ich es auch von den Beschäftigten erwarte?

Zwei wichtige Aspekte dabei sind:

  • Regeln gelten für alle, beispielsweise, wenn auf dem Betriebsgelände Helmpflicht besteht. Auch wenn der Werksleiter im Betrieb unterwegs ist, setzt er selbst immer einen Helm auf. Denn er weiß, Schutzmaßnahmen, die er als Regeln aufgestellt hat, haben einen Sinn. Er muss sie also auch selbst umsetzen. Nur dann wird er zum Multiplikator für das Verhalten der Beschäftigten.
  • Unterstützen lassen, denn verantwortungsvolle Führungskräfte kennen ihre eigenen Grenzen. Sie sind in der Lage, sich selbst Hilfe zu organisieren. Unterstützung wird angenommen, zum Beispiel von der Leitung, der Personalabteilung, dem Betriebsrat, dem betriebsärztlichen Dienst, der Fachkraft für Arbeitssicherheit, einer Sozialberatung oder einer externen Beschäftigtenberatung (EAP). Auch der Besuch eines Seminars zum Thema „Gesund und sicher führen“ lohnt sich. Die BGHM bietet dazu in ihren Bildungsstätten viele Aus-, Weiter-, und Fortbildungsseminare für Unternehmensverantwortliche an. So wird aus dem vermeintlichen „Mehraufwand“ durch das Achten auf Sicherheit und Gesundheit eine lohnende Investition in die Qualität des Lebens und Arbeitens.

Woran ist die Kultur im Unternehmen zu erkennen?

In entwickelten Unternehmenskulturen sind Sicherheit und Gesundheit zu „spannenden Unterstützern“ der Produktivität und Qualität geworden; kurz: „Man arbeitet gerne und gut in diesem Unternehmen.“ Das Gute ist, auch kleine, stetige Änderungen im System verändern eine Kultur. Zur Bewertung des Reifegrades einer Unternehmenskultur und Ableitung von Maßnahmen eignet sich das 5-Stufen-Modell der Prävention. Nähere Erläuterungen dazu finden Sie im Erklärfilm auf der Kampagnenhomepage (siehe Infobox).

Silke Otto und Martin Prüße, BGHM

DGUV_Stufenmodell

5-Stufen-Modell der Prävention

BGHM-Wandkalender: Führung; © BGHM/iStock.com/nbgbgbg

Nutzen Sie das Plakat und die Checkliste zum Schwerpunktthema im Monat Dezember für Ihre betriebliche Präventionsarbeit. Sie sind Bestandteil des BGHM-Wandkalenders.