Gesetzlicher Unfallversicherungsschutz

Wann ist Teambuilding versichert?

Ameisen transportieren gemeinsam einen Stock; © Antrey / Fotolia.com

Sind Beschäftigte bei Teambuilding-Maßnahmen gesetzlich unfallversichert? Zu diesem Thema erreichen die BGHM viele Fragen. Der Begriff „Teambuilding“ wird häufig verwendet, aber oft ist nicht klar, was darunter zu verstehen ist und ob ein gesetzlicher Unfallversicherungsschutz besteht. BGHM-Aktuell erläutert die aktuelle Rechtsprechung zum Thema.

Beim Teambuilding wird eine Gruppe Personen zusammengebracht, innerhalb welcher Fähigkeiten entwickelt werden sollen, die benötigt werden, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Das Landessozialgericht (LSG) München hat in seinem Urteil vom 24. Oktober 2018 die Voraussetzungen für Versicherungsschutz formuliert:

  • Es müssen Teambuilding-Effekte im Sinne einer Schulung, Fortbildung oder Personalentwicklungsmaßnahme vorhanden sein, die über gemeinsame Freizeitveranstaltungen hinausgehen.
  • Es muss eine strukturierte Durchführung durch einen fachkundigen Coach oder eine Teamleitung erfolgen.
  • Die Teamzusammensetzung muss gezielt und mit einer konkreten Aufgabenzuweisung für das Team erfolgen.
  • Eine Supervision und anschließende Reflexion oder Evaluation der Abläufe muss durchgeführt werden. Das Ziel muss sein, die Ergebnisse in den Arbeitsalltag zu übertragen und so die Zusammenarbeit im Team zu verbessern.

Zudem ist entscheidend, dass die Zeiten als volle Arbeitszeiten angerechnet werden – auch für Teilzeitkräfte –, die Teilnahme als dienstlich angeordnete Veranstaltung zumutbar und zwingend verpflichtend ist und die Kosten ausschließlich vom Unternehmen getragen werden.

Was fällt nicht unter Teambuilding?

Teambuilding ist abzugrenzen von unversicherten Freizeit- und Incentive-Veranstaltungen. Letztere dienen der Belohnung oder Motivation einzelner Beschäftigter und stehen nach der Rechtsprechung generell nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Wenn die rechtlichen Voraussetzungen vorliegen, können solche im Unternehmen mitunter als Teambuilding bezeichnete Aktivitäten aber als Gemeinschaftsveranstaltung versichert sein, wie das Klettergarten-Beispiel zeigt: Ein Unternehmen plant innerhalb der Arbeitszeit einen Ausflug in einen Klettergarten. Alle Beschäftigten sind eingeladen und wollen teilnehmen. Das Event soll unter anderem das Bewusstsein dafür fördern, wie wichtig die Zusammenarbeit im Team ist. Es handelt sich hier aber eher um eine versicherte Gemeinschaftsveranstaltung. Sie dient der Verbundenheit zwischen Unternehmen und Beschäftigten sowie der Beschäftigten untereinander, sie wird vom Unternehmen organisiert, steht allen offen und alle wollen teilnehmen. Demnach sind die Teilnehmenden versichert. Immer wieder landen Sachverhalte vor den Sozialgerichten, mit folgenden Urteilen:

Fahrradtour als Teambuilding?

Im Anschluss an eine fachliche Veranstaltung fand eine Fahrradtour statt; die Teilnahme war Pflicht. Zwar besteht arbeitsrechtlich eine Verpflichtung zur Teilnahme an Maßnahmen, die den Zusammenhalt im Team stärken sollen, so das LSG Hamburg. Die Teilnahme an einer Radtour diene aber nicht der Erfüllung einer objektiv bestehenden Haupt- oder Nebenpflicht aus dem Arbeitsvertrag. Versicherungsschutz wurde hier ausnahmsweise deshalb bejaht, weil der Betroffene wegen der Teilnahmepflicht davon ausgehen durfte, dass er eine vermeintliche Pflicht aus seinem Arbeitsverhältnis erfüllte. Da zudem alle eingeladenen Beschäftigten des Standortes an der Fahrradtour teilnahmen, lagen, wie beim Klettergarten-Beispiel, auch die Voraussetzungen für eine versicherte Gemeinschaftsveranstaltung vor. Das Event lag im Interesse des Unternehmens und sollte die Zusammengehörigkeit der Beschäftigten untereinander fördern. (LSG Hamburg vom 29.05.2019, Az. L 2 U 6/18)

Quadfahren als Teambuilding?

Das Einladungsschreiben an ausgewählte Führungskräfte enthielt sieben Tagesordnungspunkte sowie den Hinweis: „Anschließend findet Teambuilding statt.“ Ein Hinweis aufs Quadfahren fehlte. Die Tagesordnungspunkte lagen im Rahmen der Pflichten aus dem Arbeitsverhältnis, das „Teambuilding“ aber diente eher der auflockernden und geselligen Unterhaltung. Deswegen stand es nicht unter gesetzlichem Unfallversicherungsschutz. Dies gilt auch, wenn die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber die Teilnahme der Beschäftigten erwartet und/oder diese Angebote organisiert und finanziert. Die eingeladenen Führungskräfte kannten ihre Rechte und Pflichten aus dem Arbeitsvertrag. Einen Erwartungsdruck durch den Arbeitgeber sowie einen möglichen Gruppenzwang, dem man sich nicht entziehen könne, ließ das LSG nicht gelten. (LSG München vom 24.10.2018, Az. L 2 U 300/17)

Bergwanderung als Teambuilding?

Eine Ressortleiterin nahm an einem Treffen zum Erfahrungsaustausch mit anderen Führungskräften ihres Unternehmens teil. Vorgesehen war auch eine Bergwanderung. Hierbei rutschte sie aus. Die Bergwanderung gehörte nicht zum allgemeinen Tätigkeitsprofil der Ressortleiterin, außerdem ist Fitness private Obliegenheit. Der Arbeitgeber war im Rahmen seines Weisungsrechtes nicht berechtigt, eine solche Tour verbindlich anzuordnen. Die Teambuilding-Maßnahme war auch nicht notwendig, da sich die Teilnehmenden bereits kannten. Werden bei einer solchen Gelegenheit auch berufliche Gespräche geführt, bedingt das alleine nicht den gesetzlichen Versicherungsschutz. (LSG Stuttgart vom 15.11.2018, Az. L 6 U 441/18)

Skifahren im Rahmen eines „Townhall-Meetings“ als Teambuilding?

Ein Vertriebsleiter nahm mit anderen Kolleginnen und Kollegen seiner Abteilung an einem zweitägigen „Townhall-Meeting“ teil. Der Ablaufplan sah für den zweiten Tag eine Zeit zur freien Verfügung, die man unter anderem mit Skifahren verbringen konnte. Dabei stürzte der Vertriebsleiter. Die Teilnahme am Skifahren war als abgrenzbare Freizeitveranstaltung nicht versichert, selbst wenn diese vom Unternehmen organisiert und finanziert worden wäre. (LSG Stuttgart vom 15.11.2018, Az. 6 U 2237/18)

Karl Heinz Schwirz, BGHM