Die unterschätzte Gefahr

Welche Risiken von Vibrationen ausgehen

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Gabelstapler oder Bohrhämmer: Je nachdem, welche Geräte und Maschinen Beschäftigte nutzen, entstehen Schwingungen in unterschiedlichem Ausmaß. Langfristig können sie negativen Einfluss auf Wohlbefinden und Gesundheit haben, wenn Schutzmaßnahmen nicht beachtet werden.

An zahlreichen Arbeitsplätzen in Holz- und Metallbetrieben sind die Beschäftigten Vibrationen ausgesetzt. So können beispielsweise beim Führen von Flurförderzeugen sogenannte Ganzkörper-Vibrationen auftreten, während es bei der Verwendung von handgehaltenen elektrisch oder pneumatisch betriebenen Geräten und Maschinen häufig zu Hand-Arm-Vibrationen kommt.

Einfluss auf die Gesundheit

Die Gefährdung durch Vibrationen am Arbeitsplatz wird oftmals unterschätzt, da selten unmittelbare Schäden zu beobachten sind. Je nachdem, wie oft und wie lange die Geräte genutzt werden, können die Vibrationen aber durchaus das allgemeine Wohlbefinden und die Gesundheit  beeinträchtigen. Das hat unter Umständen auch negativen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit. Im schlimmsten Fall führt die langfristige Exposition zu bleibenden Gesundheitsschäden und zu einer anerkannten Berufskrankheit (BK). So können Ganzkörpervibrationen im Sitzen auf Dauer die Bandscheiben der Lendenwirbelsäule massiv schädigen (BK 2110). Hand-Arm-Vibrationen wiederum können arthrotische Veränderungen der Hand-, Ellenbogen- und Schultergelenke verursachen (BK 2103) oder in einem bestimmten Frequenzbereich zu Durchblutungsstörungen an den Händen und damit zur sogenannten Weißfingerkrankheit führen (BK 2104).

Gesetzliche Vorgaben

Um diese Gesundheitsgefahren zu vermeiden oder zu minimieren, muss der Arbeitgeber gemäß Paragraf 5 des Arbeitsschutzgesetzes beziehungsweise Paragraf 3 der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV) feststellen, ob die Beschäftigten in seinem Betrieb Vibrationen ausgesetzt sind oder sein können. Ist das der Fall, hat er alle hiervon ausgehenden Gefährdungen für die Gesundheit und Sicherheit zu beurteilen und bei Bedarf Schutzmaßnahmen einzuleiten. Dazu muss zunächst fachkundig ermittelt und beurteilt werden, in welchem Ausmaß die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Vibrationen ausgesetzt sind. Die einzelnen Schritte dieses Verfahrens sind in den Technischen Regeln zur LärmVibrationsArbSchV (hier: TRLV Vibrationen) festgelegt. In Abhängigkeit von der Höhe der ermittelten Tages-Vibrationsexpositionswerte muss der Arbeitgeber nach der sogenannten STOP-Reihenfolge substituierende, technische, organisatorische und/oder persönliche Maßnahmen treffen, um die Gefährdung durch Vibrationen auszuschließen oder soweit wie möglich zu verringern. Technische Maßnahmen können an der Entstehungsstelle oder auf dem Übertragungsweg erfolgreich sein. Die Berufsgenossenschaften unterstützen ihre Mitgliedsunternehmen dabei, Gefährdungen zu ermitteln und Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten.

Vorsorgepflichten

Zum Schutz der Beschäftigten wurden in der LärmVibrationsArbSchV sogenannte Auslöse- und Expositionsgrenzwerte festgelegt. Wird einer der Expositionsgrenzwerte erreicht oder überschritten, ist für die Beschäftigten vor Aufnahme der Tätigkeiten und anschließend in regelmäßigen Abständen eine arbeitsmedizinische Vorsorge zu veranlassen (Pflichtvorsorge). Sofern einer der Auslösewerte überschritten wird, muss den Beschäftigten die Vorsorge zumindest angeboten werden (Angebotsvorsorge). Einzelheiten hierzu sind in der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) festgelegt. In jedem Fall müssen die Beschäftigten über die Gefährdungen und Gesundheitsrisiken bei ihrer Tätigkeit unterrichtet werden.

Gudrun Kühlen, BGHM

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Durch handgehaltene elektrisch oder pneumatisch betriebene Geräte und Maschinen können Hand-Arm-Vibrationen entstehen.

Weitere Informationen

Fachinformationen Vibrationen auf bghm.de