Leben retten – Verletzungsfolgen verringern

Wie wird man Ersthelfer?

Ambulanz; © Christian Müller - Fotolia.com

Nach einem Arbeitsunfall entscheidet oft der Zeitfaktor über die Folgen. Gut, wenn die Beschäftigten eines Unternehmens in solchen Situationen richtig reagieren können – als Ersthelferin und Ersthelfer.

In Paragraf 323 c des Strafgesetzbuches wird demjenigen Strafe angedroht, der bei einem Unfall vorsätzlich keine Erste Hilfe leistet. Um sicherzustellen, dass bei einem Unfall im Betrieb Erste Hilfe geleistet werden kann, ist der Arbeitgeber verpflichtet, Ersthelferinnen und Ersthelfer ausbilden zu lassen.

Was bedeutet „Erste Hilfe“?

Unter der Ersten Hilfe versteht man alle nicht ärztlichen Hilfeleistungen, die im Notfall zu erbringen sind. Ersthelferinnen und Ersthelfer versorgen verletzte oder erkrankte Kolleginnen und Kollegen und führen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes oder Notarztes die Erste-Hilfe-Maßnahmen durch. Das schnelle und sachgerechte Handeln kann für die Verletzten lebenswichtig sein. Aber nicht nur Unfälle, sondern auch andere lebensbedrohliche Erkrankungen wie zum Beispiel Herzinfarkt, Schlaganfall oder Kreislaufversagen können einen Erste-Hilfe-Einsatz erforderlich machen. Ersthelferinnen und Ersthelfer zu werden ist sinnvoll, denn der Einsatz von Erste-Hilfe-Maßnahmen kann natürlich auch im privaten Alltag erforderlich sein.

Wer kann die Ausbildung machen?

Grundsätzlich kann jede oder jeder Beschäftigte Ersthelfer werden, wenn keine gravierenden körperlichen oder psychischen Gründe dagegensprechen. Auch die Unternehmerin oder der Unternehmer kann sich dafür ausbilden lassen. In kleinen Betrieben ist dies häufig eine gute Lösung.

Wie viele Ersthelfer müssen im Betrieb anwesend sein?

Nach Paragraf 26 Absatz 1 der DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ muss in jedem Unternehmen von zwei bis 20 anwesenden Versicherten mindestens eine Ersthelferin oder ein Ersthelfer vor Ort sein. Bei mehr als 20 anwesenden Versicherten müssen in Verwaltungs- und Handelsbetrieben fünf Prozent und in sonstigen Betrieben zehn Prozent Ersthelferinnen und Ersthelfer zur Verfügung stehen. Die Kosten für die Ausbildung werden grundsätzlich von der BGHM übernommen, geeignete Ausbildungsstellen finden sich unter www.bghm.de.
Die Ausbildung zur Ersthelferin oder zum Ersthelfer besteht aus dem „Erste-Hilfe-Lehrgang“ mit neun Unterrichtseinheiten. Im Grundkurs lernen die Teilnehmenden, welche grundsätzlichen Maßnahmen in Notfallsituationen systematisch anzuwenden sind. Auch die psychische Betreuung der Verletzten soll geübt werden. Um Ersthelferin oder Ersthelfer zu bleiben, ist eine Fortbildung spätestens alle zwei Jahre durch das Erste-Hilfe-Training mit neun Unterrichtseinheiten erforderlich. Dort werden ergänzende Maßnahmen der Ersten Hilfe vermittelt und die Bewältigung von Notfallmaßnahmen trainiert. Die Themenauswahl hierfür kann, so weit erwünscht, betriebsbezogen erfolgen. Durch ausreichende Zeitvorgaben für praktische Übungen wird die Motivation und Einsatzbereitschaft der Ersthelferinnen und Ersthelfer gestärkt. Daneben besteht auch die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen.
Dr. Marie-Luise Fritz, BGHM

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